Rodewald - Arnar Halldorsson erlitt einen Schock, als er sah, was von dem kleinen Isländerpferd Snót übrig geblieben war. Hinten auf der Weide lag der Kadaver: abgenagte Rippen und Beinknochen, nur der Kopf der acht Monate alten Stute war komplett übrig geblieben. Gut eine Woche später hat das Gestüt Hrafnsholt in Nöpke nördlich von Hannover die offizielle Bestätigung: Das gut 100 Kilo schwere Jungtier wurde von Wölfen gerissen.

„Ich hätte nie gedacht, dass es uns so treffen würde“, sagt Halldorsson, ein kräftiger Mann, der noch immer unter dem Eindruck der Wolfsattacke steht. Als die Wölfe kamen, hatten zehn Pferde auf der Weide gestanden. „Sie waren danach komplett erschöpft und legten sich hin, als wir da waren und sie sich sicher fühlten“, erzählt der 39-Jährige.

Lange hieß es, dass sich Herden von großen Tieren selbst gegen Wolfsangriffe schützen könnten. Unter den Nutztieren werden ansonsten vor allem Schafe und Ziegen von Wölfen gerissen. Doch das inzwischen berüchtigte Rodewalder Rudel attackiert in seinem Jagdrevier immer wieder Rinder und zuletzt mehrere Ponys. Auch ein Alpaka fiel ihm schon zum Opfer. Betroffen sind Teile des Landkreises Nienburg, des Heidekreises und der Region Hannover. Dass ein Abschuss des Leitwolfes das Problem löst, glaubt der Leiter des Isländergestüts, Herbert Ólason, nicht: „Der hat sein Wissen schon an die Welpen weitergegeben.“

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Seit der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland führen Gegner und Befürworter einen erbitterten Streit. Der Rodewalder Rüde GW 717m wird von Wolfsschützern in sozialen Medien liebevoll Roddy genannt. Naturschutzvereine legten Einspruch gegen die Abschussgenehmigung des Landes ein – jetzt ist das Verwaltungsgericht Oldenburg am Zug.

Das niedersächsische Umweltministerium äußert sich nicht dazu, wie es demnächst GW 717m aufspüren will, sollte das Verwaltungsgericht dafür grünes Licht geben. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) Niedersachsen fragt, warum nicht erst versucht wurde, den Leitwolf zu vergrämen oder mit einem Sender auszustatten.

In Rodewald berichten Einwohner davon, Wölfe gesehen zu haben. Den örtlichen Waldkindergarten zäunten Eltern aus Sorge um ihre Söhne und Töchter ein. „Der größte Teil der Menschen hier würde sich besser fühlen, wenn es das Rudel nicht gäbe“, sagt Gisela Weier vom Heimatmuseum, die persönlich „gar keine Angst vor dem Wolf“ hat.

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