ROFFHAUSEN - Draußen vor dem Werkstor peitschen einem Wind und Regen in die Augen, drinnen in der Halle reizt der Rauch vom Grill die Tränendrüsen. Vor allem sorgt aber Wehmut für wässrige Augen: Mit der endgültigen Schließung von AE Formen- und Werkzeugbau ist am Freitag ein langer Arbeitskampf endgültig verloren und ist auch der Epilog zur Olympia-Industriegeschichte ein für alle mal vorbei.
Am letzten Arbeitstag trafen sich die verbliebenen Beschäftigten, ehemalige Kollegen des einstigen Olympia-Werkzeugbaus, Vertreter der IG Metall und TCN-Geschäftsführer Holger Ansmann noch einmal zum Abgrillen in der Werkzeug- und Maschinenhalle. „Damit wir nicht einfach so auseinandergehen“, erklärte IG-Metall-Sekretärin Evelyn Gerdes. Sie erinnerte in einer kurzen Rede an den Aufstieg und Niedergang von AE Formen- und Werkzeugbau in Roffhausen und an den verzweifelten Kampf um die Arbeitsplätze. „Wir können mit geradem Rückgrat gehen“, so Gerdes.
Seit 2005, als es beim damaligen Mutterkonzern einen Wechsel in der Führungsspitze gab, zeichnete sich das Ende ab. Dann kam die Finanz- und Wirtschaftskrise. Im April 2009 beantragte die AE-Gruppe Insolvenz. Für den Standort Roffhausen wurde unter dem Namen Formen- und Werkzeugbau Schortens ein eigenes Insolvenzverfahren eröffnet. Ein neuer Investor fand sich jedoch nicht. Als dann auch noch die frühere Mutter AE der Tochter die Aufträge zusammenstrich, war das Aus besiegelt.
Dem Betrieb füllten einst renommierte Namen aus der Automobilindustrie die Auftragsbücher. „Das hier ist ein High-Tech-Betrieb“, erklärte Betriebsratsvorsitzender Georg Olbrich in seiner „Grabrede“. Er hat wie manch anderer sein ganzes Arbeitsleben hier verbracht und Anfang der 70-er Jahre bei Olympia Werkzeugmacher gelernt.
Der Werkzeugbau war nach dem Olympia-Aus 1993 das erste Unternehmen, das in die neue Struktur überging, berichtete Holger Ansmann und sprach von einem „schmerzlichen Tag für die Beschäftigten“. Mit den Werkzeugbauern fing 1946 die Olympia-Geschichte in Roffhausen an und mit den Werkzeugbauern gehe sie nun endgültig zu Ende.
In seinen besten Zeiten hatte AE in Roffhausen 135 Beschäftigte. Nicht einmal 40 sind übriggeblieben. Einige haben in Varel neue Arbeitsplätze gefunden. Viele wissen noch nicht, was nun kommt. „Das Leben geht weiter“, seufzt Olbrich. Was bleibt, sind die Maschinen. Die werden nun im Internet meistbietend versteigert.
Mit Unterstützung der Stadt Schortens und des Landkreises sei es immerhin gelungen, eine Transfergesellschaft zu gründen, um die verbliebenen Beschäftigten wieder zurück in Arbeit zu bekommen. Ansmann hofft, dass auch die Werkshalle nicht lange leer steht.
