ROFFHAUSEN - Tierschutz, Verbraucherschutz, Seuchenschutz und Lebensmittelhygiene: Die Mitarbeiter des Veterinäramts Jade-Weser mit Sitz in Roffhausen haben einen wichtigen Job. Und er wird bald noch wichtiger. Die Behörde wird auch Kontrollen im Tiefwasserhafen Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven übernehmen. Dort wird derzeit ein Kontrollzentrum geplant, in dem Veterinäre, Zöllner und Experten der Landwirtschaftskammer die Ware direkt an der Wasserkante kontrollieren und für den Transport innerhalb der EU abfertigen werden.
3336 Kontrollbesuche
Nach Angaben von Geschäftsführer Dr. Norbert Heising sei etwa die Hälfte der 34 hauptamtlichen Mitarbeiter im Bereich des gesundheitlichen Verbraucherschutzes tätig. 1975 Betriebe wurden im vergangenen Jahr kontrolliert – von Kiosken über Gaststätten bis zur Großschlachterei, berichtete Heising am Montag bei der Vorstellung der Jahresbilanz für 2009. Bei insgesamt 3336 Kontrollbesuchen gab es 551 Beanstandungen. In 245 Fällen waren diese Mängel so gravierend, dass eine Nachkontrolle fällig war. Neben vielen Kleinigkeiten haben die Kontrolleure Heising zufolge auch besonders krasse Fälle entdeckt. So wurde in einer Gaststätte im Landkreis Wittmund aufgrund eklatanter Hygienemängel die Entsorgung zahlreicher Lebensmittel angeordnet. Auf einer ostfriesischen Insel hatte ein Betrieb einen Abstellraum kurzerhand zur illegalen Bäckerei umfunktioniert. Eine Bäckerei auf dem Festland musste wegen mangelhafter Hygiene eine Geldbuße von 4500 Euro zahlen. Wenn die
Mängel nicht abgestellt werden, drohe dem Betrieb die Schließung.
Ein weiteres wichtiges Standbein der Behörde ist die Schlachtkontrolle. Durch den Betreiberwechsel im Schlachthof Wilhelmshaven stieg die Zahl der geschlachteten Rinder im Verbandsgebiet im Vergleich zu 2008 um 57 Prozent auf 39 105. Die Zahl der Rinderhalter (siehe Grafik) ist im Verbandsgebiet wesentlich stärker zurückgegangen als die Zahl der Rinder. Hier spiegelt sich der Trend zu Betriebsaufgaben auf der einen Seite und größeren Herden auf der anderen Seite wider.
Schwarzschlachtung
Ein Problem ist Heising zufolge die Schwarzschlachtung. Im Landkreis Wittmund wurden ein Schaf und zwei Rinder illegal geschlachtet. Hier gab es Geldstrafen zwischen 300 und 450 Euro.
Ein Schwerpunkt beim Seuchenschutz lag auf der Bekämpfung der für den Menschen ungefährlichen Viruserkrankung BHV1 bei Rindern. Hier versucht die Behörde, mit systematischen Proben und Impfungen die Rinderbestände zu „sanieren“, wie es in der Fachsprache heißt.
Bei der Blauzungenkrankheit, die Rinder und Schafe befällt, haben großflächige Impfaktionen Wirkung gezeigt. Hier wurde 2009 kein neuer Fall entdeckt. Das gleiche gilt für die Rinderseuche BSE (Rinderwahnsinn). Sehr weit verbreitet ist Heising zufolge dagegen noch die Schleimhauterkrankung (BVD/MD) bei Rindern. Hier soll die Bekämpfung forciert werden.
Die Untersuchung von toten Füchsen habe ergeben, dass die Region tollwutfrei ist. Die Gefahr der Vogelgrippe sei – vor allem bei Wildtieren – dagegen noch nicht gebannt. Die Behörde gehöre zu den größten Veterinärämtern Deutschlands.
Der Sachverstand des Veterinäramts Jade-Weser ist inzwischen auch überregional und international gefragt. So hat der stv. Geschäftsführer Dr. Andreas Graf gemeinsam mit dem Landesamt für verbraucherschutz „Laves“ den „Milcherlass“ federführend erstellt. Der Verwaltungsleiter Uwe Telle leitete in einem EU-Projekt im Kosovo Veterinär-Schulungen. Geschäftsführer Dr. Norbert Heising ist stv. Vorstandsvorsitzender der Tierseuchenkasse in Hannover.
