ROGGENMOOR - Für die Verständigung waren immer Schriftzeichen zur Hand. Demnächst geht es zum Studium nach Australien.
von Bernhard Kühne
ROGGENMOOR - Während der blonde junge Mann sein morgendliches Lauf-Pensum entlang der Bucht von Kiautschou absolviert, bringen Einheimische mit langsamen, weichen Bewegungen Körper, Geist und Seele zusammenzuführen. „Tai Chi/Schattenboxen“ trifft auf westliches „Jogging“. Eine Begegnung, wie sie der 24 jährige Student Andreas Meyer aus Roggenmoor bei seinem fünfmonatigem Chinaaufenthalt fast täglich hatte. „Das war meine bisher schönste Jogging-Strecke“, schwärmt Meyer.Der Student ist für Wirtschaftsingenieurwesen an der Fachhochschule in Emden immatrikuliert Im Rahmen des Studiengangs sind zwei Auslandsaufenthalte vorgeschrieben. Andreas Meyer verbrachte sein fünftes Studiensemester jetzt in China. Zusammen mit Emder Mitstudenten war Meyer per Transibirischer Eisenbahn nach Peking und von dort weiter mit dem Flieger nach Tsingtao (chin.: Qingdao) angereist.
Noch heute erinnert in der Millionenstadt am Gelben Meer manch prächtiger Zweckbau an die deutsche Kolonialzeit [1897–1914). „Wir haben regelmäßig chinesische Betriebe besucht, selbstverständlich auch die 1903 von Deutschen gegründete Tsingtao-Brauerei“, so der junge Mann aus Roggenmoor.
Für private Begegnungen jenseits des Campus gab es kaum Gelegenheit, bedauert Meyer. „Wir wohnten in einem so genannten Studenten-Hotel nur mit nicht-chinesischen Gaststudenten. Viel Zeit wurde in der Gruppe verbracht,“ erklärt Meyer. Individuelle Kontakte gab es gelegentlich beim Einkaufen oder auf der Straße.
Dabei sei die Sprache eine große Barriere gewesen. Zwar wurde an der Uni durchweg Englisch gesprochen, doch jenseits des Campus begann China pur. Ein Sortiment an Schriftzeichen war allzeit griffbereit und half bei der Verständigung. „Nach einiger Zeit konnte ich mich aber auch verbal verständlich machen, so dass mich der Taxifahrer bei der vierten Wiederholung verstand“, schmunzelt der junge Roggenmoorer.
„Ein bisschen Heimweh war natürlich auch mit im Gepäck“, gibt der Ammerländer zu. Post aus der Heimat, wenn auch nur die Wahlunterlagen zur Bundestagswahl, halfen ein wenig.
Während eines zweiwöchigen Urlaubs hatte Meyer Gelegenheit, sich ein Bild von den unglaublichen Dimensionen Chinas zu machen. Abstecher nach Tibet, zu einem riesigen Staudamm am Fluss Jangtse und zur Metropole Shanghai, sorgten für bleibende Eindrücke.
Einige Tage vor Weihnachten ging‘s zurück in die Heimat. Nach einem kurzen Intermezzo an der Uni Emden, wobei eine Klausur in Investitionsrechnung ansteht, geht es weiter in die Nähe von Melbourne, Australien. Dort wartet das vorläufig letzte Auslandssemester auf den Studenten.
