Cloppenburg/Göttingen - Manchmal dauert es etwas länger, bis man das ernten kann, was man gesät hat. Für die Wissenschaft gilt dies allemal. 1993 nahm der gebürtige Cloppenburger Astrophysiker Dr. Paul Hartogh ein Projekt mit in Angriff, das erst 2014 so richtig für Schlagzeilen sorgte: Die Raumsonde Rosetta setzte das Mini-Labor Philae auf einem Kometen ab.

Paul Hartogh (55) entwickelte dazu ein Instrument, das Kometen-Gase (z.B. Wasserdampf, Kohlenmonoxid, Ammoniak und Methanol) misst. MIRO, so der Name des Instrumentes, befindet sich nicht direkt auf dem Kometen im All, sondern in der Raumsonde Rosetta. Ein erster wichtiger Nachweis ist gelungen: Vom Kometen steigt Wasserdampf hoch.

„Die Signale, die Wassermoleküle in unseren Messdaten hinterlassen, sind besonders gut festzustellen“, sagt Paul Hartogh vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, unter dessen Leitung das Spektrometer von MIRO entwickelt und gebaut wurde. „Das Instrument ist besonders empfindlich.“ Die Wissenschaftler erwarten, dass „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ auch andere Gase ausgast. MIRO arbeitet mit Infrarot. Damit lässt sich beispielsweise die Temperatur des Kometen darstellen. Dabei gibt es allerdings große Unterschiede. Hartogh: „Zum einen werden die Temperaturen der Oberfläche gemessen, zum anderen in ein paar Zentimetern Tiefe. Da kommen schon Unterschiede von 40 Grad Celsius zustande.“

MIRO arbeitet bis jetzt perfekt. Er befindet sich halt auf dem Orbiter Rosetta. Er hatte aber auch den Vorteil, dass er mit der Raumsonde für zwei Jahre vor dem großen Auftritt vor ein paar Wochen, in den Schlaf versetzt wurde.

„Die gemessenen Gase spiegeln die eigentliche Zusammensetzung des Komentenkerns wider. Aus den gemessenen Oberflächentemperaturen und deren Änderung mit der Tiefe sowie den gemessenen Ausgasungen sollen zusammen mit Modellrechnungen konsistente physikalische Eigenschaften des Kerns bestimmt werden“, so Hartogh. Mit der Auswertung wird er sicherlich noch einige Zeit ausgelastet sein.


Doch der 55-Jährige blickt schon aufs nächste ESA-Projekt: „Es geht um die Suche nach Leben auf den Jupitermonden. Der Mond Europa ist da so ein Kandidat. Wir vermuten, dass sich in seinem Inneren Ozeane befinden. Dabei wollen wir auch feststellen, aus welchem Material das Eis des Mondes besteht.“ Hartogh entwickelt für diese Mission ein MIRO-ähnliches Instrument. „Allerdings mit heutiger Technik.“