Hamburg/Oldenburg - Der Nordwesten hat gute Chancen, sich in den nächsten Jahren besonders gut zu entwickeln. Zu dieser Einschätzung kommt der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts (HWWI), Professor Thomas Straubhaar (55). „Unterm Strich könnte sich im Vergleich zum Bundesdurchschnitt sogar ein überdurchschnittliches Wachstum ergeben“, sagte der aus der Schweiz stammende Chef des renommierten Instituts im Interview mit der NWZ.
„Die Voraussetzungen für eine günstige Entwicklung sind hier sehr gut“, meinte Straubhaar bei einem Besuch in Oldenburg. Dafür gebe es „viele Faktoren“. Er denke „zuerst an die im Nordwesten ausgeprägten mittelständischen Strukturen und die guten Spezialkenntnisse in einer Reihe von Wachstumsmärkten bis hin zur Ernährung und ihren vor- und nachgelagerten Bereichen“, sagte der Forscher im Interview.
Außerdem werde „Energie – künftig verstärkt Windenergie draußen auf See – ein Riesenthema. Auch alles, was mit maritimer Wirtschaft und mit Logistik zu tun hat, wird einen enormen Aufschwung erleben“. Speziell Oldenburgs Strukturen seien geeignet, um aus den laufenden Entwicklungen „als Gewinner hervorzugehen“. Er sei aber auch für Deutschland insgesamt zuversichtlich, so der Wirtschaftsforscher. Straubhaar wies insbesondere darauf hin, dass man in Deutschland gesamtwirtschaftlich auch 2013 „keine Angst um Arbeitsplätze haben“ müsse.
Der Direktor des HWWI rief den Nordwesten dazu auf, die Region größer als bisher zu definieren – bei Hamburg beginnend – und an einem Strang zu ziehen. „Das, was auf der Elbe möglich ist oder nicht, oder das, was an Autobahnen oder Schienenwegen um Wilhelmshaven gebaut wird oder nicht, ist eben nicht nur für Hamburg oder Wilhelmshaven isoliert wichtig, sondern auch für andere in der weiteren Umgebung.“ Um als Region Gewinner zu werden, müsse man die „Kirchturmpolitik überwinden“.
