Hannover/Berlin - Am 24. Juni ist es für Stephan Weil soweit: Fünf Monate nach dem rot-grünen Sieg bei der Landtagswahl ist der SPD-Ministerpräsident erstmals Gastgeber des Sommerfestes der Landesregierung in Berlin. Doch wie sein Vorgänger David McAllister (CDU) muss auch Weil sparen – im Landesetat ebenso wie bei der Party in der Landesvertretung unweit des Brandenburger Tores. Denn nach dem umstrittenen Nord-Süd-Dialog mit Sponsoren in Hannover mit dem damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten und Ex-Bundespräsident Christian Wulff sind viele der einstigen Geldgeber skeptisch und zurückhaltend.

„Wir werden das Fest in der Logik des Vorjahres ressourcenschonend planen“, sagt Staatssekretär Michael Rüter, der als Bevollmächtigter des Landes in Berlin arbeitet. Wie sich die Sponsoren verhalten, könne er nicht sagen, keiner habe sich bislang dazu geäußert.

Langjährige Mitarbeiter der Staatskanzlei sehen dies als Indiz für die Skepsis der Unternehmer. „Früher standen sie Schlange und haben mit Geldscheinen gewedelt“, sagt ein Mitarbeiter. Auch Rüter erwartet nicht, dass die einstigen Großsponsoren Tui, AWD, Deutsche Bahn und Air Berlin in ihre Kassen greifen. 2012 hatten die vier Unternehmen das feucht-fröhliche Zusammentreffen von Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport erstmals nicht finanziell unterstützt. Hintergrund war die kritische Berichterstattung über das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Politik.

Wulff war, rückblickend auf dessen Regierungszeit in Niedersachsen von 2003 bis 2010, von Kritikern und Medien eine zu große Nähe zur Wirtschaft vorgeworfen worden. Zurzeit ermittelt zudem die Staatsanwaltschaft Hannover gegen ihn – Bestechlichkeit lautet der Vorwurf. Filmproduzent David Groenewold soll Hotelkosten für Wulff gezahlt haben. Beide streiten dies ab.

Vor zwei Jahren hatten die vier Großsponsoren mehr als 41 000 Euro überwiesen. Insgesamt überwiesen alle Sponsoren aus der Wirtschaft damals 200 000 Euro. Inklusive Sachleistungen wie Getränke, Essen oder Geschenke kamen für das Fest 384 000 Euro zusammen. 2012 folgte der Einbruch. Alleine die Geldspenden gingen auf rund 171 000 Euro zurück. Für die Planung ist das Bargeld entscheidend. „Irgendwann ist ein Minimum erreicht, dann wäre das Fest wie bisher mit 3000 Gästen nicht mehr durchführbar“, sagt Rüdiger Jacobs, Sprecher der Landesvertretung und seit Jahren in die Organisation der Feier eingebunden.


Einzig Volkswagen bleibt spendabel – jedoch hält das Land auch 20 Prozent an dem Autobauer. „Auch 2013 wird sich VW auf dem Sommerfest der Landesvertretung Niedersachsen engagieren“, sagte VW-Sprecher Eric Felber.