Berne/Lemwerder - Riesige Maschinen sind auf den Straßen unterwegs: Die Maisernte im Landkreis Wesermarsch ist in vollem Gange. Für Wildtiere eine Zeit des Schreckens – sie haben einige Monate im Schutz der hohen Maispflanzen verbracht und stehen nun plötzlich ohne Deckung da. Jäger nennen diese Situation den Ernteschock.
„Vor allem die Rehe laufen momentan aufgescheucht durch die Gegend. Sie sind wie benommen“, erklärt Karl-Bernd Böse, Leiter des Hegerings Stedingen. „Die Tiere suchen neue Einstände, und das tun sie vor allem in der Dunkelheit.“ Autofahrer sollten deshalb zurzeit doppelt aufmerksam fahren. „Sobald helle Augen am Straßenrand im Scheinwerferlicht zu sehen sind, sollte man auf die Bremse treten“, rät Böse.
Im Mais leben den Sommer über nicht nur Rehe. Auch Füchse suchen den Schutz der hohen Pflanzen. Außerdem haben sie im Feld ein gutes Nahrungsangebot. Zahlreiche Junghasen oder Fasane tummeln sich dort – und sind ebenso wie Mäuse und Ratten eine leichte Beute.
Dass die Population der Füchse ansteigt, wird zunehmend zum Problem, denn sie sind im Mais nur schwer bejagbar. „Felder mit drei Hektar kann man noch gut durchjagen und den Bestand gering halten. Bei 30 Hektar ist das nicht möglich. Der Fuchs kann leicht entwischen, er ist nicht blöd“, sagt Böse. Dabei sei es wichtig, dass nicht zu viele Füchse unterwegs sind. „Sie gefährden sonst den Bestand der Wiesenvögel, Bodenbrüter und Hasen in der Wesermarsch“, so der Hegeringsleiter. Man versucht deshalb, durch intensive Bejagung die Population unter Kontrolle zu halten. Wenn ein Maisfeld abgeerntet wird, sind deshalb oft einige Jäger mit dabei. Sie warten, bis nur noch wenige Reihen stehen und lauern den Füchsen auf. Die kommen erst im letzten Moment aus der Deckung.
„Die Muttertiere haben während der Brut- und Setzzeit Schonzeit, die Jungfüchse können allerdings das ganze Jahr über bejagt werden. Es ist aber nicht einfach, ihren Bau zu finden“, weiß Böse.
Kein großes Problem sind in der Wesermarsch die Wildschweine. Sie vermehren sich in anderen Landkreisen, wie zum Beispiel Cloppenburg, im Schutz des Mais sehr schnell. Für sie sind die Felder ein Schlaraffenland. Viele der Tiere ziehen sich oft monatelang in riesige, zusammenhängende Maisfelder zurück ohne die Anpflanzungen verlassen zu müssen.
