Hooksiel - Gelassen blickt der Retter raus auf die Nordsee, das Funkgerät stets griffbereit. Jederzeit könnte etwas passieren, doch bei Ebbe sieht die Sachlage schon anders aus. Dennoch, gäbe es eine Notsituation, Ralf Knebel wäre sofort in Bereitschaft. Leben retten lautet die Aufgabe der Deutschen Lebens-Rettungs Gesellschaft (DLRG), auch am Hooksieler Strand. Den Rettungsschwimmern verdanken Urlauber und Gäste am Strand manchmal ihr Leben.
Ralf Knebel, 70 Jahre alt,ist seit fast 60 Jahren Mitglied der DLRG. Dieser Sommer ist seine letzte Saison als Badeaufsicht der DLRG am Strand von Hooksiel. „Irgendwann muss auch mal Schluss sein“, sagt er – und das hat sich der pensionierte Berufssoldat auch redlich verdient.
Wachen im Ausland
Mit 13 Jahren kam der aus Schöningen stammende Ralf Knebel während eines Zeltlagers auf Sylt zu seiner Tätigkeit im roten T-Shirt am Strand. Seitdem war er immer irgendwo aktiv dabei.
Als Berufssoldat nahm er am „Exchange-Programm“ der Bundeswehr teil und diente dreieinhalb Jahre bei der US-Navy auf einem Kreuzer. „Das war schon schön, besonders in Florida“, erinnert sich Knebel bei Sonnenschein in Hooksiel gern an das ebenfalls sehr warme Wetter an der US-Küste. Außerdem ist er privat auf Hawaii gewesen und hat dort an Strandwachen teilgenommen. „Die arbeiten dort nur mit der Baywatch-Boje“, erklärt er und fügt hinzu: „Hier haben wir zusätzlich das Rettungsbrett, den Gurtretter, das Spencerboard und natürlich das Rettungsboot.“
Der Gurtretter funktioniert ähnlich wie die Boje, auf dem Rettungsbrett paddeln die Retter hinaus auf das Wasser und auf dem Spencerboard werden die in Not geratenen Personen festgeschnallt, bis Hilfe durch das Rettungsboot eintrifft oder die Person an Land gezogen werden kann.
„Unsere Hauptaufgabe ist Leben zu retten, aber derzeit sind es eher kleinere Wunden die wir mal verarzten müssen“, freut er sich, dass es bisher in diesem Sommer keinen akuten Notfall gab – anders als in Dangast, wo ein Jugendlicher gerettet werden musste, oder an der Ostsee, wo acht Personen gestorben sind. Die Leute in Hooksiel seien vernünftig und würden sich an die Ansagen halten.
Dankbarkeit für Hilfe
Vom Fenster des DLRG-Gebäudes am Hooksieler Strand hat Knebel einen perfekten Blick auf 45 000 Quadratmeter Strand- und Wasserfläche, die er überwacht. Von früh bis abends und solange Badegäste am Strand sind, wacht auch die DLRG vom Ortsverband Wangerland am Strand, seit Beginn der Sommerferien wird sie von Rettungsschwimmern anderer Ortsgruppen im Binnenland unterstützt.
An seiner Arbeit schätzt der 70-Jährige vor allem den Kontakt zu den Menschen, die oftmals sehr dankbar sind für die geleistete Hilfe. Dennoch erinnert er sich auch an misslungene oder schwierige Einsätze, bei denen zwei Menschen ums Leben kamen oder an Suchaktionen, bei denen Kinder am Strand verschwunden war.
Doch nun ist Schluss für den Pensionär, dem man den Rettungsschwimmer noch immer abnimmt und der die Arbeit am Strand als Ehrenamtlicher ausführt. Es sei Zeit für den Nachwuchs, sagt er. In diesem Sommer hat Knebel allerdings noch das Sagen auf der DLRG-Kommandobrücke und zieht jeden Notfall aus dem Wasser.
