Bad Lauterberg - Seit Jahren steigt im Harz die Abschussquote für Rothirsche. Trotzdem wächst die ohnehin zu große Population immer weiter. 2003 erlegten Jäger und Förster gut 1300 Rothirsche – bei einem damaligen Bestand von 3800 Tieren. Im vergangenen Jagdjahr lag die Zahl der erlegten Hirsche bei der Rekordzahl von 2400. Die Population ist trotzdem fast mehr als dreimal so hoch.
„Wenn im Mai die Jungtiere zur Welt gekommen sind, wird der Hirschbestand rund 8000 Tiere betragen“, sagt der Leiter des Rotwildringes Harz Rainer Holodynski. Dass dort mittlerweile gut doppelt so viele Hirsche leben wie vor zehn Jahren, habe vielfältige Ursachen, sagt Michael Rudolph von den niedersächsischen Landesforsten. Sie betreuen einen Großteil der Westharzer Wälder.
Grund für die Entwicklung sei, dass die Hirsche in vielen Teilen des Mittelgebirges mehr Nahrung fänden. Auch die milden Winter spielten eine Rolle. Davon geht auch die Nationalparkverwaltung Harz aus. „Strenge Winter sind eigentlich der größte natürliche Feind der Hirsche“, sagt Sprecher Friedhart Knolle. Strenge Kälte und Eis seien aber zuletzt ausgeblieben. Raubtiere, wie die seit einigen Jahren im Harz wieder heimisch gewordenen Luchse, könnten die Hirschpopulation nicht nennenswert dezimieren.
Für die Waldwirtschaft sei die große Zahl der Hirsche ein Problem, sagte Forstsprecher Rudolph. „Die Tiere schälen auf der Suche nach Futter auch die Rinde von Bäumen.“ Dadurch würden die Stämme zum Teil massiv und irreparabel beschädigt, was zu einer erheblichen Wertminderung des Holzes führe. In den kommenden Jahren wollen die Jäger die Abschusszahlen für Rothirsche deshalb weiter erhöhen, sagte Rotwildring-Leiter Holodynski. Langfristiges Ziel sei es, die Gesamtpopulation der Hirsche auf etwa 3500 Tiere zu reduzieren.
Im Solling, nach Heide und Harz drittgrößter Rotwildstandort in Niedersachsen, ist der Bestand ebenfalls deutlich gestiegen. Niedersachsenweit wurden nach dem jüngsten Landesjagdbericht im Jahr 2012 gut 7600 Hirsche erlegt, etwa dreimal so viele wie noch in den 1950er-Jahren.
Neben Rothirschen erobern im Harz auch Wildschweine, die bis vor wenigen Jahren eher die Ausnahme waren, immer größere Teile des Mittelgebirges. „Sie sind aus den Randbereichen inzwischen schon bis in höhere Lagen vorgedrungen“, sagt Forstsprecher Michael Rudolph.
