Rüdershausen - Ein fester Termin im Kalender ist für den Gnadenhof Pferdeoase der Auftrieb auf die Sommerweiden in Nordmentzhausen. Vom Stammsitz an der Friedrich-Rüder Straße in Rüdershausen, dem Winterquartier, läuft das Ritual unter dem Begriff „Almauftrieb“ schon seit mehr als 20 Jahren auf der rund einen Kilometer langen Wegstrecke ab. Etliche Helfer, teilweise weit angereist, waren jetzt wieder dabei.
Landrat Thomas Brückmann hatte sich angesagt, musste dann wegen anderweitigen Verpflichtungen passen. Es sind meist die „Paten“ der Pferde, die sich dann auf ein Wiedersehen mit ihren betagten Vierbeinern freuen. Die fachliche Einweisung, das Anlegen von Trense, Zaumzeug und Halfter erklärten der Gnadenhof-Betreiber Bernhard Kutz und sein Stallmeister Florian Krüger. Dabei gab es klare Ansagen.
Kurz darauf ging es dann an der Leine geführt im „Gänsemarsch“ los in Richtung Weide. Bernhard Kutz dazu: „Der Transport im Hänger würde mehr Zeit in Anspruch nehmen. Und das Ganze gestaltet sich so stressfreier.“ In diesem Jahr standen gleich zwei Touren an. Insgesamt wurden 65 Großpferde, zum Teil sehr betagt (das älteste Pferd ist 31 Jahre alt), auf drei großen Weiden verteilt. Die sechs Shettland-Ponys, 16 Esel, darunter vier „Poitous“, bleiben auf dem Hof. Poitous sind eine Großeselrasse aus dem Westen von Frankreich. Die Hengste weisen ein Stockmaß von 140 Zentimeter bis 150 Zentimeter auf.
Gerne bringen sich auf dem Gnadenhof auch Fachleute ein: So zum Beispiel Dr. Hans-Hermann Lagershausen aus Berne, der die Zähne der Pferde prüft. So ist eine gute Futteraufnahme für die Vierbeiner gegeben. Hufschmied Enno Ehrenbrink sorgt für einen ordentlichen Beschlag. Bernhard Kutz: „Alle Pferde zeigten keine Probleme auf dem Weg zur Weide.“ Mit dabei war auch Tierärztin Dr. Hildegard Baums aus Hatten. Sie achtet darauf, dass alles nach den Bedingungen des Tierschutzgesetzes abläuft.
„Vom Abstellgleis ins Paradies“ heißt das Motto des Gnadenhofs Pferdeoase. Es stehen immer wieder Herausforderungen, unter anderem auch größere finanzielle Investitionen, auf der Tagesordnung. Auf dem Stammsitz in Rüdershausen soll in diesem Jahr eine Bewegungshalle gebaut werden. Das hat seinen Grund: „Die Winter werden immer nasser“, so der Hofbesitzer. Und er ergänzt: „Über jeden weiteren Sponsor und auch über kleine Beträge würden wir uns freuen.“ Die Baugenehmigung für die Halle sei schon da. „Firma Visser wird demnächst mit dem, Rammarbeiten beginnen“, so Kutz.
Und auch das ist inzwischen ein Ritual nach dem Almauftrieb: Im Stall stand nach getaner Arbeit die „Brotzeit“ an. Dazu gehörten auch der Leberkäse, Weißwurst und Brezel. Man gedachte der Hofbesitzerin Ingrid Lindenberg, die das Paradies für Vierbeiner vorlebte, Sie ist im August 2017 gestorben und wäre in diesem Jahr 85 Jahre alt geworden.
