RüSSELSHEIM - Wenige Tage nach der überraschenden Kehrtwende im Opel-Poker hat General-Motors-Chef Fritz Henderson in Deutschland Gespräche über die Sanierung der angeschlagenen Europa-Tochter begonnen. Am Montag gab es zunächst „interne Gespräche“ mit dem Opel-Management in Rüsselsheim, wie ein Sprecher mitteilte. An diesem Dienstag stehen Gespräche mit dem Betriebsrat auf der Tagesordnung.
Nach Medien-Informationen hat Henderson die erste Vorlage eines Zukunftskonzepts für Opel im Gepäck. Demnach will General Motors (GM) seiner deutschen Tochter künftig mehr Eigenständigkeit erlauben. Dies hatte zuletzt der Betriebsrat als Vorbedingung für neue Verhandlungen genannt. Henderson sprach in Rüsselsheim unter anderem mit der Geschäftsführung und dem Bereich Entwicklung.
Derweil bezifferte die US-Ratingagentur Moody's die Sanierungskosten für Opel am Montag auf 8,5 Milliarden Dollar, das sind deutlich mehr als fünf Milliarden Euro, wie Moody's mitteilte. General Motors hatte die Kosten dagegen bislang auf drei Milliarden Euro beziffert. GM verfügt nach Einschätzung von Moody's trotz der Milliardenhilfen der US-Regierung nicht über ausreichend Liquidität, um das eigene Geschäft und die Sanierung von Opel zu stemmen.
Unterdessen ist der frühere Bundeskartellamts-Präsident Ulf Böge in der Opel-Treuhand Nachfolger von Ex-Conti-Chef Manfred Wennemer, der nach heftigen Differenzen am Wochenende zurückgetreten war. Die Treuhand verwaltet derzeit noch 65 Prozent der Opel-Anteile. Wenn General Motors (GM) den staatlichen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro zurückgezahlt hat, wird die Treuhand aufgelöst.
Der bisherige Europachef von General Motors, Carl-Peter Forster, hatte seinen Posten vergangene Woche verlassen. Laut einem Bericht des „Manager Magazins“ wird er neuer Chef des indischen Autoherstellers Tata Motors.
