RüSSELSHEIM/BRüSSEL - Bei der Sanierung von Opel hat Europachef Nick Reilly weitreichende Zugeständnissen in Aussicht gestellt. Er sicherte den Beschäftigten am Freitag zu, dass Opel seine Fahrzeuge künftig weltweit vertreiben darf, sagte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz nach einer Betriebsversammlung in Rüsselsheim.

Gleichzeitig begrub Reilly den Plan für einen massiven Stellenabbau im Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim und schloss ein weiteres Entgegenkommen nicht aus. Franz unterstrich im Gegenzug die Bereitschaft der Belegschaft zum Lohnverzicht.

Zuvor muss sich GM aber noch mit den Arbeitnehmervertretern einigen. Ihr Forderungskatalog umfasst eine Unternehmensbeteiligung, mehr Mitbestimmungsrechte für die Beschäftigten und eine größere Eigenständigkeit von Opel/Vauxhall im GM-Konzern. Zudem soll die Adam Opel GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. „Beiträge von Beschäftigten kann es nur geben, wenn diese Bedingungen erfüllt sind“, sagte Franz.

Reilly, der am Freitag zum neuen Präsidenten von General Motors Europe ernannt wurde und damit nicht mehr nur Interims-Chef ist, versprach: „All diese Punkte könnten Teil des Vertragsabschlusses sein.“ Diese „Absichtserklärungen“ müssten in den kommenden Tagen vertraglich festgezurrt werden, forderte Franz. Dann sei die Belegschaft bereit, die geforderten 265 Millionen Euro durch Lohnverzicht einzubringen.

Nach den heftigen Auseinandersetzungen der vergangenen Woche haben sich Reilly und Franz damit einen großen Schritt aufeinanderzubewegt. Das Kriegsbeil scheint vorerst begraben.


Als „beste Nachricht des Tages“ begrüßte Franz, dass Reilly den ursprünglich geplanten Abbau von 548 Ingenieursstellen im Entwicklungszentrum auf der Betriebsversammlung „öffentlich zurücknahm“. Reilly kam damit einer Forderung des Betriebsrates nach, der die Pläne als „existenzgefährdend“ bezeichnet hatte. Das Entwicklungszentrum sei das Juwel von Opel, betonte Franz.