Prag/Wolfsburg - Riskantes Engagement: Als Volkswagen 1991 beim Autobauer Skoda einstieg, galten Autos aus dem ehemaligen Ostblock als technisch eher etwas rückständig. Die tschechoslowakische Staatsfirma schrieb Verluste und stellte weniger als 200 000 Kompaktwagen des Modells „Favorit“ im Jahr her. Heute, 25 Jahre später, blickt man allerdings auf eine Erfolgsgeschichte zurück.

Inzwischen produziert die Marke mit dem geflügelten Pfeil mehr als eine Million Fahrzeuge im Jahr. Auch die Zeiten, in denen Volkswagen Skoda als Einsteigermarke etablieren wollte, sind längst passé. Skoda zeige die gleiche Wertigkeit wie Ford, Opel und sogar die Konzernmarke VW, meint der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Center der Uni Duisburg-Essen. Und fügt er hinzu: „Man könnte sagen, die Tochter Skoda frisst ihre Mutter.“

Doch beinahe wäre Skoda am 16. April 1991 nicht zu 31 Prozent deutsch, sondern französisch geworden. Renault hätte im Werk in Mlada Boleslav nordöstlich von Prag gerne von den niedrigen Löhnen profitiert und einen Kleinwagen gebaut, den späteren Twingo. Die damalige Tschechoslowakei galt als Tor zum vielversprechenden mittel- und osteuropäischen Automarkt.

Gegen Renault sprach, dass Skoda als eigenständige Marke untergegangen wäre, sagte der damalige Ministerpräsident des tschechischen Teilstaats, Petr Pithart. Angesichts antideutscher Ressentiments war der Zuschlag für VW für den Christdemokraten eine gewagte Entscheidung: „Es war politischer Selbstmord“, so Pithart unverblümt.

Im Nachhinein ist Skoda zu einer globalen Marke geworden. Größter Absatzmarkt ist nicht mehr Tschechien, sondern das bevölkerungsreiche China. Gemeinsam mit dessen staatlichem Autohersteller SAIC will Skoda in den nächsten fünf Jahren rund zwei Milliarden Euro unter anderem in die Ausweitung der Modellpalette investieren.

Die Ausrichtung auf Wachstumsmärkte wie China, Indien und Russland ist nach Ansicht von Autoexperte Dudenhöffer ein richtiger Schritt. Er würde sogar dazu raten, den Neustart in den USA nach dem Dieselskandal mit der Marke Skoda zu wagen. „Skoda ist nicht als Verlierer-Marke – wie die Marke VW in den USA – gebrandmarkt.“


Heute fragen sich viele Tschechen, warum es bei der Privatisierung des Staatseigentums nicht mehr Leuchtturmprojekte wie Skoda gab. In vielen anderen Fällen sei das Volksvermögen in dunklen Kanälen verschwunden. Skoda habe indes von der konservativen und langfristig angelegten Strategie des „deutschen Kapitals“ profitiert, meinte kürzlich die tschechische Zeitung „Hospodarske noviny“.

Dudenhöffer fasst den Markenerfolg so zusammen: „Der eigentliche Volkswagen – sprich saubere Qualität und gutes Preis-Leistungs-Verhältnis – ist der Skoda.“