RUHWARDEN/RAVENSBURG - RUHWARDEN/RAVENSBURG - Vermisst Dierk Martens (36) Butjadingen? „Ich bin schon zu lange weg. Für den Urlaub ist es ganz schön und ich bin liebend gerne dort. Aber leben kann ich dort rein beruflich gesehen nicht, dafür ist die Region zu dünn besiedelt“, sagt der gebürtige Butjenter, der bis zu seinem 18. Lebensjahr in Ruhwarden gewohnt hat.

Dierk Martens hat ein recht seltenes Handwerk erlernt: Metallblasinstrumentenmacher. Dazu kam er, weil er ursprünglich Profi-Musiker werden wollte, aber feststellen musste, dass sein Talent doch nicht ganz ausreicht.

Sein Opa, Johann Hessenius, spielte in der Butjenter Blaskapelle „Waterkant“ und brachte dem damals Neunjährigen die ersten Töne auf der Trompete bei. So kam auch Dierk Martens zur der von Ortwin Krug geleiteten Blaskapelle. In Oldenburg nahm er bei einem Musiker des Staatstheaters Trompetenunterricht. Mit Großvater, Mutter Annegret Martens, Onkel Gerold Hessenius und anderen war er Mitbegründer des Posaunenchores Langwarden. Auch spielte Dierk Martens drei Jahre lang in der Weser-Jade-Bigband in Rodenkichen mit.

Er ging nach Berlin, um bei Mitgliedern der Berliner Philharmonika Privatunterricht zu bekommen. 1991 sattelte Dierk Martens um, begann in Geretsried in Oberbayern eine Lehre zum Metallblasinstrumentenmacher.

Nach dieser Ausbildung arbeitete der Butjenter sieben Jahre in einem Musikhaus in Cloppenburg. Seit 2001 ist er Abteilungsleiter in einem der renommiertesten Musikhäuser Süddeutschlands. Dort, in Ravensburg, widmet er sich neben dem Reparatur-Service dem Neubau von Trompeten und Flügelhörnern sowie der Optimierung von Metallblasinstrumenten.


Im Mai 2004 legte Dierk Martens die Meisterprüfung mit Auszeichnung ab. Sein Meisterstück, ein Cimbasso (eine Kontrabass-Posaune), welches nur noch in Opernhäusern eingesetzt wird, stellte er nach einjährigem Besuch der Bundesfachschule in Ludwigsburg komplett in Handarbeit her.

Inzwischen hat Dierk Martens eine Familie gegründet. Mit seiner aus Cloppenburg stammenden Frau und den beiden Kindern wohnt er in einem Dorf bei Ravensburg. Die Familie fühlt sich hier heimisch, besonders seitdem die Kinder in den Kindergarten gehen. Trompete spielt der Butjenter heute in der Bigband Ravensburg.

Für einen Norddeutschen sei das Leben in Schwaben wegen der Sprache sehr gewöhnungsbedürftig, aber er sei gut zurecht gekommen, zumal er ja schon drei Jahre während der Lehre in Bayern gelebt hatte. „Wir haben es hier sehr gut getroffen“, sagt der 36-Jährige. „Die Arbeit ist abwechslungsreich. Hier kann ich meinen Beruf komplett ausleben und hier möchte ich auf Dauer leben, obwohl Butjadingen meine Heimat ist und bleibt.“