Sage - In seinen 50 Jahren als Landwirt hat Heiner Oltmann schon mal einen Mähdrescher brennen sehen, auch einen Schlepper. Aber so ein großes Feuer wie auf seinem Hof in Sage hat er noch nicht erlebt. Und er hätte gerne darauf verzichtet. „So ein Feuer muss niemand haben, das geht doch ziemlich an die Nerven“, sagt der 65-Jährige, als er am Mittwochmorgen mit den Schadensregulierern zweier Versicherungen vor der Brandruine steht.
13 Stunden im Einsatz
Das Skelett der Blechscheune steht krumm und schief auf dem Gelände. Die Reste der 400 Ballen Stroh liegen zerstreut in der Gegend herum. An einer Stelle qualmt es plötzlich, eine Flamme breitet sich aus, erneut fängt Stroh an zu brennen. „Mehrfach am Tag muss nachgelöscht werden“, sagt Oltmann und dankt den Feuerwehrleuten, die am Montag gut 13 Stunden im Einsatz waren. „Dienstagmorgen um vier sind die letzten abgezogen.“ Auch im Laufe des Dienstags sei die Feuerwehr noch zweimal zum Nachlöschen dagewesen. „Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein“, so der Landwirt. Zwischendurch drehen er oder seine Frau immer wieder die Wasserpumpe an und löschen kleine Feuer.
Rückblende: Heiner Oltmann war am Montagnachmittag dabei, mit einem Radlader die dicken Strohballen vom Anhänger in die Scheune zu transportieren. „Als ich wieder herauskam, sah ich, dass Stroh auf dem Anhänger brennt.“ Er versuchte noch, den Traktor abzukoppeln und zu retten, doch vergebens. Durch Funkenflug griffen die Flammen schnell auf die 15 mal 25 Meter große Scheune über, in der bereits 400 Strohballen lagerten. Im Nu brannte die Blechhalle lichterloh. Oltmann vermutet, dass ein Radlager heißgelaufen war. Die Polizei ermittelt noch. Bislang wird der Schaden auf 220 000 Euro geschätzt.
So tragisch der Ostwind für das Strohlager war, so glücklich war er für die 7500 Puten in den beiden angrenzenden Ställen. „Ich bin froh, dass die Tierställe nicht abgebrannt sind“, erzählt Oltmann, „nicht nur, weil der Schaden groß gewesen wäre, sondern weil ich befürchte, dass ich nicht ohne Weiteres die Genehmigung für den Neubau bekommen würde.“ Ein Kollege in Neerstedt habe in so einem Fall Probleme gehabt, doch der Landwirt ist beruhigt: „Den Tieren geht es gut.“ Die Puten seien 80 Tage alt. Schlachtreif seien sie nach 150 Tagen.
Alle zwei Tage müssen die Putenställe neu eingestreut werden. Doch das Stroh fehlt nun. „Ich hatte auf dem Acker noch Stroh für 110 Ballen liegen, das ich bereits an einen Lohnunternehmer zum Pressen von Pellets verkauft hatte. Noch während die Löscharbeiten liefen, habe ich ihn angerufen und gesagt, dass ich das Stroh selbst benötige“, erzählt Heiner Oltmann. Er hofft, damit bis zum Winter über die Runden zu kommen. Doch wenn er nirgendwo Stroh hinzukaufen kann, muss er wohl auf Sonnenblumenschalen zurückgreifen. „In zwei unserer vier Ställe haben wir das jetzt schon mal ausprobiert, um erste Erfahrungen damit zu sammeln.“
Traktor geliehen
Der Betrieb am „Nordholz“ läuft mehr oder weniger normal weiter. Von seinem Schwager hat sich Heiner Oltmann einen Traktor geliehen. Wenn die Überreste der Halle mit Steinen, Blech, Stroh und Kunststoffresten entsorgt sind, soll an gleicher Stelle eine neue Scheune gebaut werden. „Ich hoffe, dass sie in einem Jahr steht“, sagt der Landwirt; denn im Sommer 2019 muss er wieder neues Stroh einlagern.
Ob sich die 70 bis 80 Jahre alten Eichen hinter der abgebrannten Halle bis dahin erholen, da hat Heiner Oltmann allerdings Zweifel. Wenn sie sich überhaupt erholen. Die Hitze des Feuers mit 800 Grad hat den Bäumen geschadet.
