Sande - Hier braucht man kein Adlerauge, um zu sehen: Diese Straße ist völlig kaputt. Ein Sanierungsfall, definitiv. Dass die Posener Straße eine der schlechtesten in ganz Sande ist, das erkennt auch der sprichwörtliche Blinde mit Krückstock.
Der Vermessungsingenieur ermittelt während der Fahrt den jeweiligen Belag oder ob es besondere Schäden an den Straßenabschnitten gibt.
Pro Kilometer werden 2000 Bilder gemacht, pro Tag ungefähr 30 bis 40 Kilometer gefahren. Die Strecke wird dabei in beide Richtungen befahren.
In Sande werden ca. 100 Kilometer gemeindeeigene Straßen und Wege befahren und abgelichtet – in beide Richtungen. So entstehen rund 400 000 Bilder, die genauen Aufschluss geben sollen über den Straßenzustand. Auch Straßenbeleuchtung, Straßeneinläufe, Beschilderung und weitere Details werden erfasst.
Die aufbereiteten Bilddaten sowie die daraus gewonnnen Messergebnisse bleiben im Rathaus und sind nicht für die Veröffentlichung bestimmt. Die Daten dienen Rat und Verwaltung unter anderem zur Beurteilung bei Fragen zu Straßensanierungen und -unterhaltungsmaßnahmen.
Die Datenerhebung dient zudem dem Straßendatenmanagement und einer fachgerechten Bewertung des gemeindeeigenen Infrastrukturvermögens im Rahmen der Doppik.
Dennoch: der „Adler“ zieht auch hier seine Bahnen. Alles wird genau erfasst. Jedes Schlagloch, jeder Riss im Asphalt, jede Versackung. Aber auch Straßenbäume, Beschilderungen, Kanaldeckel – alles wird aufgenommen und dank GPS-Technik metergenau lokalisiert.
Zehn Kameras an Bord
Der „Adler“, das ist ein herkömmlicher Mercedes-Transporter, allerdings vollgestopft mit Kameratechnik, Kreiselkompass und Sensoren, die oben in erhöhter Position auf den Aufbauten des Fahrzeugs installiert sind und so einen guten Überblick liefern. Eagle Eye, also „Adlerauge“, nennt sich das Unternehmen aus Berlin, das zurzeit mit einem silber-orangefarbenen Spezialfahrzeug durch Sande fährt und jeden einzelnen Meter Gemeindestraße aufnimmt. Etwa eine Woche haben Fahrer Omer Verwimp und Techniker Stefan Lange eingeplant. Am Ende haben die zehn am Messfahrzeug installierten Adleraugen rund 400 000 Bilder gemacht und dank exakter Satelliten-Informationen jedes Bild genau positioniert. Im Auto untergebrachte Hochleistungscomputer verarbeiten alle Daten in Echtzeit. Anschießend werden die Bilder in Berlin aufbereitet und der Gemeinde Sande übermittelt.
Alle zehn Kameras lösen alle fünf Meter gleichzeitig aus, erläutert Stefan Lange. Er sitzt hinten im Auto und kontrolliert, ob ein gutes GPS-Signal da ist, ob der Kreiselkompass und die Odometer – also die Wegstreckenzähler – mitlaufen. Und er hat ein wachsames Auge auf die Bild-Systeme. Google bekommt davon nichts zu sehen.
„Zur räumlichen Wahrnehmung benötigen wir zwei Augen, die das gleiche Objekt aus zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachten, um so Entfernungen bestimmen zu können“, erläutert Lange. „Wir haben dieses Prinzip mit hochauflösenden digitalen Kameras in alle Richtungen nachempfunden.“ Das Ergebnis sei genauer und wirtschaftlicher in der Anwendung als die herkömmlichen Monobildverfahren.
Gute Planungsgrundlage
Das Fahrzeug bewegt sich ganz normal im Straßenverkehr mit. „Wir fahren nicht schneller oder langsamer als alle anderen auch“, sagt Omer Verwimp. Kollege Stefan Lange sagt, wo es lang geht, Omer Verwimp fährt.
Die Daten, etwa 100 Gigabyte, sollen der Gemeinde als Grundlage für ein Straßenkataster dienen. Rat und Verwaltung können daraus unter anderem herleiten, welche Straßen in welchem Zustand sind, welche Straßen dringend saniert werden sollten und wo es nicht so dringend ist. „Wir haben so eine vernünftige Planungsgrundlage, können so auch den Etat besser planen“, sagt Bürgermeister Stephan Eiklenborg. 60 000 Euro kostet die Aktion. Auch der Landkreis und die Gemeinde Zetel haben damit schon gute Erfahrungen gemacht.
