SANDE/JEVERLAND - Wenn am zweiten Adventssonntag die Kirchenglocken zu den Gottesdiensten rufen, wird es in manchen Gotteshäusern im Jeverland und Wilhelmshaven keine Aufführungen von den Kindern der kirchlichen Kindergärten mehr geben. Auch die Teilnahme an den Basaren der kirchlichen Kindergärten wurde in einigen Gemeinden, darunter auch in Schortens, bereits abgesagt oder aber in Frage gestellt. Stattdessen wollen unter anderem auf dem Kirchplatz in Jever Mitarbeiter der Kirchengemeinden über geplante Kürzungen und die „erheblichen Verschlechterung in allen Bereichen“ informieren.

Gehaltseinbußen um rund zehn Prozent, kein Weihnachtsgeld, Mehrarbeit ohne Lohnausgleich, die faktische Aufhebung der Unkündbarkeit und noch einige Abstriche mehr – „die Schmerzgrenze ist erreicht“, sagte Angela Andersen, Leiterin des ev. Kindergartens Heidmühle am Freitag bei einem Pressegespräch in Sande.

„Ich kenne Erzieherinnen, die wohnen mit 30 Jahren noch zu Hause bei den Eltern und fahren ein altes kleines Auto, weil es vorne und hinten nicht mehr reicht“, sagt Kreisjugenddiakon Harald Hermann, Vorsitzender der kirchlichen Mitarbeitervertretung Jeverland. Mit Andersen und Hermann haben die Leiterinnen der ev. Kindergärten in Sande und Bockhorn, die Vorsitzenden der Mitarbeitervertretung und Konventleiter die immer schlechtere Bezahlung der kirchlichen Mitarbeiter verdeutlicht: „Wir sind nicht die Sparschweine der Kirche.“ Eine Erzieherin, die 30 Stunden in der Woche arbeite, gehe mit rund 1000 Euro netto nach Hause, sagt Andersen. Die Erzieherinnen könnten sich von dem Geld, das sie verdienten, nicht mehr ernähren.

Die Mitarbeiter im ev. Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven pochen bei ihren kirchlichen Arbeitgebern der Landeskirche auf die Übernahme des vor einem Jahr in Niedersachsen neu ausgehandelten Tarifvertrags im öffentlichen Dienst und damit um Teilhabe an der Lohnerhöhung um 2,9 Prozent. Lange Jahre war es üblich, dass dieser Vertrag auch für die Angestellten in den Kirchen, darunter auch Friedhofsgärtner, Küster und Reinigungspersonal, angewendet wurde. Doch das lehnen die Kirchenoberen mit dem Verweis auf die schlechte Finanzlage ab und wollen einen Kirchentarif durchsetzen – mit weiteren Einbußen für die Mitarbeiter.

Die Situation ist festgefahren. Das Angebot der Arbeitgeber nach einer geringen Einmalzahlung, die aber auf ein etwaiges Weihnachtsgeld im kommenden Jahr angerechnet werden soll, haben die Arbeitnehmer abgelehnt. „Wir werden das nicht einfach schlucken, sondern wollen protestieren“, sagt Ulrike Schirmer, Leiterin des ev. Kindergartens Sande.


Die Unzufriedenheit über die schlechte Bezahlung auf dem Rücken der Eltern etwa mit geschlossenen Kindergärten auszutragen, ist nicht vorgesehen. Stattdessen hoffen die Mitarbeiter, über ihre Pastoren in den Gemeinden den Druck auf die Landeskirche erhöhen zu können.

Immer mehr Erzieherinnen fragten inzwischen nach der Erlaubnis für eine Nebentätigkeit, sagt Angela Andersen. „Die kämen sonst überhaupt nicht mehr über die Runden.“