SANDE - Sandes Geldsorgen werden immer größer – und mit ihnen auch die Ratlosigkeit. „Wir müssen sparen – aber wie?“, fragte Holger Mehrle (Grüne) auf der Ratssitzung in der Diskussion um den zweiten Nachtragshaushalt. Eines sei aber klar: „Bei Kindern, Jugendlichen und den Alten darf nicht gekürzt werden“, so Mehrles Forderung. Er stellte stattdessen die – später dennoch beschlossene – Förderung privater Maßnahmen im Zuge der Dorferneuerung in Frage.

Wie berichtet, hat die Gemeinde Sande immer weniger finanziellen Spielraum, weil in Folge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise auch in Sande die Geschäfte schlechter laufen und immer weniger Steuern sprudeln. So schmelzen die Gewerbesteuer und der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer immer mehr zusammen.

Zugleich muss Sande aber auch mit gestiegenen Personalkosten und erhöhten Ausgaben für die Gebäudeunterhaltung klarkommen. Auch der Kreis hält die Hand auf: 32 000 Euro mehr als vorgesehen muss Sande ins Kreishaus überweisen. Um 135 000 Euro höher als geplant fällt die Gewerbesteuerumlage aus.

Summa summarum fehlen der Gemeinde Sande für ihre laufenden Kosten auf der Einnahmeseite weitere 278 000 Euro, zugleich steigen die Ausgaben um 376 000 Euro. Der Verwaltungshaushalt steht somit mit 654 000 Euro in den roten Zahlen. Der Vermögenshaushalt kann nur mit einem beherzten Griff in die Rücklagen ausgeglichen werden.

Bürgermeister Josef Wesselmann sah auch für die nähere Zukunft schwarz: „Die Situation wird sich weiter verschärfen, auch für 2010 ist kein ausgeglichener Haushalt zu erwarten.“


„Horrorzahlen“ nennt Wilfried Davids den zweiten Nachtragshaushalt. „Wir fahren voll gegen die Wand und können nichts dagegen tun.“ Bei den Investitionen müsse der Blick nun vermehrt auf Projekte gerichtet werden, die von dritter Seite bezuschusst werden.

Folkert Feeken von der CDU erinnerte daran, dass die Gemeinde sehr wohl noch Möglichkeiten der Einflussnahme habe. Etwa bei der Sozialstation Sande, der mit 42 000 statt 20 000 Euro unter die Arme gegriffen werden müsse.

„Anschaffung statt Erneuerung“ lautet die Prämisse von Engelbert Wulfert (CDF). Er forderte „Zugaben im Streichkonzert“: Der Umbau des Bahnübergangs Deichstraße sei allemal wichtiger, als eine intakte Hauptstraße aufzuhübschen, nur weil es dafür Fördergelder aus dem Dorferneuerungsprogramm gibt.

Gegen die Stimmen von Grünen und FDP wurde der Nachtrag beschlossen. Und schon jetzt ist klar: Der Sparkurs 2010 wird schmerzhaft.