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Technik In Sande Tüftler startet Karriere auf Omas Flur

Sande - Viele dieser Geschichten fangen so an: Schon als Kind hat er gern an Dingen herumgeschraubt und wusste: das wird er sein Leben lang tun. Bei Mathias Janssen war das anders. „Wenn ich früher etwas auseinandergeschraubt habe, dann war das hinterher definitiv auch kaputt“, sagt er heute und lacht.

Der Laden

„I repairIT.center – Ihr Smartphone- und Tablet-Reparaturservice“ in Sande an der Hauptstraße 29 hat geöffnet: montags, mittwochs, donnerstags und freitags 10.30 bis 18 Uhr sowie dienstags von 10.30 bis 14 Uhr. Samstags ist von 13.30 bis 15 Uhr geöffnet.

Der 27-jährige Mathias Janssen repariert unter anderem Smartphones, Tablets und PCs. Im Sortiment sind auch rund 4000 Ersatzteile und Zubehör für diese Geräte. Zudem übernimmt er defekte Geräte aus dem Versandhandel und verkauft sie nach der Reparatur weiter.

I m Umkreis von 40 Kilometern übernimmt Mathias Janssen auch den Kundendienst für 1&1. Zudem verkauft er Fahrkarten für FlixBus.

Heute ist das nicht mehr so: Dinge, an denen er herumschraubt, macht er auch wieder heile. Der 27-Jährige hat sich mit seinem Laden „IrepairIT“ in Sande selbstständig gemacht.

Alles fing damit an, dass sein eigenes Handy kaputt war. „Ich wusste nicht, wo ich es reparieren lassen sollte. Einschicken war zu teuer und dauerte mir zu lange.“ Seine Idee: selbst reparieren.

Dafür musste Mathias Janssen aber erst lernen, wie das geht. „Ich kaufte mir im Internet kaputte Handys, reparierte sie und verkaufte sie wieder“, erzählt er.

Einige Zeit später war er schließlich fit genug in Sachen Reparatur – und meldete 2011 ein Nebengewerbe an. Der Laden: bei Oma im Flur. Immer abends, von halb 6 bis 7, konnten Leute vorbeikommen. „Wenn mehrere auf einmal kamen, musste auch schon mal jemand auf der Treppe warten.“

Mit den Jahren wurde Mathias Janssen dann klar: das kann so nicht weitergehen. Er wollte einen richtigen Laden eröffnen. Und er wollte sein eigener Chef sein, alles selbst entscheiden. Er geriet an einen leerstehenden Laden direkt an der Hauptstraße in Sande und bereitete alles vor. „Bevor ich eröffnet habe, hat es noch ein Jahr gedauert. Es sollte alles perfekt sein.“


Datenrettung und FlixBus

Im Oktober 2018 war es dann soweit. Seitdem repariert Mathias Janssen in dem Laden aber nicht nur Smartphones, Tablets und Co, sondern hilft auch bei Datenrettung und Netzwerkeinrichtung. Zudem bietet er die Möglichkeit, Neuverträge der Mobilfunk- und Telefonanbieter sowie Vertragsverlängerungen abzuschließen.

Und nicht nur das: Er bucht auch FlixBus-Tickets. „Von meiner Oma habe ich erfahren, dass das einige aus der Gegend in Anspruch nehmen und für eine Karte oft nach Wilhelmshaven fahren. Da kam mir die Idee, das nebenbei auch gleich mit anzubieten.“

Wenn Mathias Janssen so berichtet, was es in seinem Laden alles gibt und worum er sich kümmert, hört sich das ganz schön gewaltig an. „Eigentlich mache ich das nicht – aber ich schaue es mir mal an“, sagt er oft.

Beispiel: Navigationsgeräte. „Eigentlich repariere ich die ja nicht. Aber wenn mich jemand fragt, dann schaue ich schon, ob ich helfen kann.“ Aber es gibt auch Ausnahmen: Fernseher. „Das ist technisch einfach etwas ganz anderes.“

Und dennoch: „Das kann manchmal auch viel werden“, gibt Mathias Janssen zu. Immerhin steht er allein in seinem Laden: sowohl vorn, um Kunden zu beraten, zu telefonieren, E-Mails zu beantworten, als auch hinten in seiner kleinen Werkstatt, um zu reparieren.

Das Schwierige: „Manche Smartphones müssen geklebt werden. Das nimmt einige Zeit in Anspruch und ich kann nicht einfach mittendrin aufhören.“ Und das bedeutet wiederum, dass er vieles außerhalb der Öffnungszeiten erledigt. „Ich komme oft erst um 12 oder halb 1 nachts nach Hause.“

Manchmal greift ein Freund ihm unter die Arme und hilft aus. Eine zweite volle Stelle einrichten, das kann Mathias Janssen aber noch nicht. „So lange ist der Laden noch nicht geöffnet und ich kann noch nicht absehen, wie er sich entwickelt und ich es mir leisten kann.“

Ein-Mann-Betrieb

Also heißt es derzeit für ihn: selbst ranklotzen. Was ihn antreibt? „Der Wille, das Gerät so schnell wie möglich für den Kunden fertig zu bekommen.“

Schließlich sei nichts ärgerlicher, als dem Kunden immer wieder sagen zu müssen: es dauert noch, bitte kommen Sie noch mal wieder. „Das würde mich selbst auch ärgern.“ Wenn der Kunde dann mit einem reparierten Gerät nach Hause gehen kann, dann freut sich Mathias Janssen sehr.

Und zum Abschied? Da gibt es diesen Satz, der zunächst komisch klingen mag, aber für die Kunden von Janssen normal ist: „Hoffentlich nicht bis zum nächsten Mal.“

Antje Brüggerhoff
Antje Brüggerhoff Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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