SANDELERMöNS - Was Fußball und der Oldenburgisch Ostfriesische Wasserverband (OOWV) miteinander zu tun haben? Viel! denn in dem Moment, in dem in Südafrika ein Spiel mit deutscher Beteiligung angepfiffen wurde, ging der Trinkwasserausstoß nach Angaben des OOWV dramatisch zurück, um zur Halbzeit und nach dem Schlusspfiff dann wieder in die Höhe zu schnellen.

Die Tagesgangkurve, die sich der zuständige Ingenieur für Trinkwasser, Lutz Trittin, immer wieder anguckt, dokumentiert mit starken Ausschlägen diese Abhängigkeit. „So wie Jogi Löw seine Taktik für jedes Spiel zurechtlegt, so stimmen die Wasserwerker den Betrieb neu auf die zu erwartenden Einflüsse ab“, berichtet der Sprecher des OOWV, Lutz Timmermann. In diesen heißen Sommertagen mobilisierten die Wasserwerker Reserven, die einen Rekordabsatz von 290 747 Kubikmeter am Tag möglich machten. Klar, dass sich über diese Bestmarke in der über 60-jährigen Geschichte des OOWV auch Geschäftsführer Peter Kaufmann in der Zentrale in Brake freut.

„Spitzenlast fahren“ nennen die Fachleute die Herausforderung, bei deutlich erhöhter Nachfrage das kostbare Nass bis in die entferntesten Haushalte im Verbandsgebiet von Spiekeroog bis Damme zu liefern. Um diese Aufgabe zu bewerkstelligen, verfügt der OOWV über mehr als 15 Wasserwerke und fünf Speicherpumpwerke in seinem Gebiet.

Eines dieser Wasserwerke liegt in Sandelermöns am Rande Jevers. Dort wurde Timmermann zufolge mit knapp 29 000 Kubikmetern Trinkwasserabgabe ebenfalls einen „Hausrekord“ erzielt. Auch am Wochenende sei dort die Wasseraufbereitung auf Hochtouren gelaufen. Die Experten rechneten mit Mengen nahe an der Rekordmarke, allerdings nicht mehr mit so starken Tagesschwankungen, weil Deutschland bei der Weltmeisterschaft „nur“ um Platz drei spielte.

Von Sandelermöns aus werden aus vier 5000 Kubikmeter Wasser fassenden Speichern die Haushalte in Jever und Umgebung versorgt, außerdem liefert das Wasserwerk Trinkwasser in die nördliche Wesermarsch.


Das Rohwasser, das für die Trinkwasseraufbereitung benötigt wird, wird aus über 260 Brunnen im gesamten Verbandsgebiet geholt. Sie sind zwischen 48 und und 160 Meter tief.

Nach der Aufbereitung wird das Wasser in Speichern zwischengelagert, um in Spitzenzeiten wie diesen über ein 13 800 Kilometer langes Rohrnetz an die Verbraucher geliefert zu werden.

Dort sprudelt das Wasser dann aus den Wasserhähnen – egal ob zig Millionen Fußballfans zur Toilette eilen oder Wasser für den Pausentee aufgesetzt wird.

Einerseits freut sich Geschäftsführer Kaufmann natürlich über den neuen Absatzrekord, andererseits ist ihm aber auch der (umwelt-)bewusste Wasserverbrauch ein wichtiges Anliegen. „Und der nächste Regen kommt ganz bestimmt“, so Timmermann.