SANDKRUG - Ungewöhnliche Dialoge waren am Mittwoch in einem Klassenraum an der Waldschule Sandkrug zu hören. Schülerinnen und Schüler aus der achten Hauptschulklasse der Schule sprechen sich mit einem förmlichen „Sie“ an, stellen sich höflich vor und schildern in kurzen Worten ihren Lebenslauf.

Im Stuhlkreis dahinter beobachten Mitschüler und Schulsozialarbeiterin Barbara Christidis jede Regung und achten auf jedes Wort. Hier wird das erste Kennenlernen vor einem Bewerbungsgespräch nachgespielt. Nach jedem Durchgang folgt eine Bewertung – auch jetzt bleiben alle beim „Sie“. Vorher hat Barbara Christidis Tipps zur richtigen Haltung gegeben. „Sie brauchen Körperspannung“, erklärt sie einem Schüler, „Ihr Händedruck muss fester werden und halten Sie den Blickkontakt, das prägt den ersten Eindruck“, empfiehlt Sie einer Anderen.

Business-Knigge nennt Christidis das Training. Es gehört zu einem Aktionstag, den die Schulsozialarbeiterinnen Tanja Reiher (Hatten), Julia Tscheslog (Wardenburg) und Barbara Christidis (Großenkneten) gemeinsam mit Silvia Diekhof von der Agentur für Arbeit anbieten.

Entstanden ist das Programm aus einer Kooperation der Sozialpädagoginnen mit der Industrie- und Handelskammer.

Jugendliche hätten es nicht leicht, sich in einem Bewerbungsgespräch zu behaupten sagt Tanja Reiher, Sozialarbeiterin an der Waldschule – dieses Problem geht das erste Modul an. Jugendliche wie Firmen leiden darunter, dass viele Ausbildungsangebote schlicht unbekannt sind. Deshalb gehört zum Aktionstag auch eine begleitete Internetrecherche, bei der die Jugendlichen herausfinden sollen, welche Berufe zu ihren Wünschen und Fähigkeiten passen.


Rollenspiel-Charakter hat dann wieder das dritte Modul, in dem die Zusammenarbeit im Team geübt wird. „Wir achten bei der Zusammenstellung der Gruppen darauf, dass da keine Cliquen zusammen hocken“, sagt Reiher. Schließlich müssten die Schüler im späteren Berufsleben unter Umständen auch mit Leuten zusammenarbeiten, die sie nicht leiden können.

Für die Schülerinnen und Schüler kommt die Vorbereitung auf die ersten Gespräche mit einem „Chef“ genau richtig – im Frühjahr steht das erste Betriebspraktikum an.