SANDKRUG - Routiniert prüft Vivian Geisler den Inhalt eines großen roten Rucksacks und verstaut ihn wieder in einem Fach des Rettungswagens. Das Fahrzeug ist bereit zum Einsatz – ebenso wie die 22-Jährige, die kürzlich ihre Ausbildung zur Rettungsassistentin bei den Sandkruger Maltesern abgeschlossen hat.

Vor drei Jahren hat der Hilfsdienst in Sandkrug zum ersten Mal eine voll vergütete dreijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten angeboten. Üblicherweise können sich junge Leute in zwei Jahren zum Rettungsassistenten ausbilden lassen, müssen dann die nötigen Lehrgänge aber bezahlen.

Vivian Geisler ist die erste, die die neue Ausbildung in Sandkrug abgeschlossen hat, die den Maltesern qualifizierten Nachwuchs bringen soll. In früheren Jahren bot dafür auch der Zivildienst eine gute Möglichkeit. „Aber als der immer weiter verkürzt wurde, reichte die Zeit nicht mehr für eine fundierte Ausbildung“, sagt Malteser-Geschäftsführer Jürgen Lueken.

Vivian Geisler hat übrigens Erfahrung darin, im Rettungswesen neue Möglichkeiten auszuprobieren. Sie gehörte 2003 auch zur ersten Generation von Schulsanitätern an der Waldschule. „Ich fand Erste Hilfe damals schon spannend“, erinnert sie sich heute zurück. Weil sie beim Schulabschluss noch nicht volljährig war, orientierte sich die junge Frau zunächst in Richtung einer kaufmännischen Ausbildung – und hörte dann genau im richtigen Moment vom neuen Angebot der Malteser.

Drei Jahre später ist sie absolut überzeugt, sich damals richtig entschieden zu haben – auch wenn Rettungsassistenten nicht selten mit menschlichem Leid konfrontiert werden. „Damit kann ich umgehen“, ist sich die junge Frau sicher, „und außerdem habe ich die Kollegen, mit denen ich auch über so etwas reden kann.“


„Schwierig wird es für uns dann, wenn Bekannte von uns betroffen sind, oder wenn wir das Leid der Familien miterleben“, sagt Jürgen Lueken. Für psychologische Betreuung in so einem Fall ist aber gesorgt, wie der Malteser-Geschäftsführer versichert.

Bisher ist Vivian Geisler die einzige hauptberufliche Nachwuchskraft aus den Reihen der Schulsanitäter der Waldschule, aber nicht die einzige Auszubildende. Sechs Azubis haben die Malteser zurzeit, sie erwerben zunächst den nötigen C1-Führerschein und absolvieren dann diverse theoretische Lehrgänge und Praxisteile im Krankenhaus und im Rettungsdienst. „Wir bilden so aus, dass wir die Auszubildenden auch einstellen können“, sagt Jürgen Lueken. Bei Vivian Geisler hat das geklappt: Sie arbeitet weiter in der Rettungswache der Malteser.