SANDKRUG - Der Landkreis geht von einer vorübergehenden Situation aufgrund von Unterrichtsausfällen aus. Ab nächster Woche kehren langzeiterkrankte Lehrkräfte zurück.
Von Stephan Onnen
SANDKRUG - Freitagmittag, kurz nach 12 Uhr an der Bushaltestelle vor der Waldschule: Dutzende Schüler haben nach der 5. Stunde Schulschluss. Viele drängeln und schubsen, um sich eine gute Ausgangsposition für den Kampf um einen Platz im Linienbus, der sie nach Kirchhatten bringen soll, zu sichern. Als der Busfahrer die Türen öffnet, erreicht das Gequetsche seinen Höhepunkt. Dabei ziehen vor allem die jüngeren Schüler oft den Kürzeren: „Mit graut jedesmal vor der Fahrt“, sagt Marcel Schmidt. Der Elfjährige besucht die Klasse 5cR. Er berichtet davon, dass schon Schulranzen beschädigt und Jacken in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Ein Klassenkamerad habe sich das Handgelenk verstaucht. Im Bus stehen die Schüler, die keinen Sitzplatz ergattert haben, bis vorne zum Einstieg. „Wenn der Fahrer mal scharf bremst, kann man sich nirgendwo festhalten“, klagt Daniel Gercken (10).„Hier herrschen chaotische Zustände“, bestätigt Marcels Vater Bruno Schmidt. Er hat sich an den für den Schülertransport zuständigen Landkreis Oldenburg gewandt – ohne Erfolg. Ein zweiter Bus wird zurzeit nur nach der 6. Stunde eingesetzt. „Da liegt laut Stundenplan eigentlich der Schwerpunkt“, betont der Leiter der „Stabsstelle Schule“, Wilfried Fürup. Dass es nach der 5. Stunde zu Engpässen kommt, führt er auf Unterrichtsausfälle an der Waldschule zurück. „Das ist ein vorübergehender Zustand“, so Fürup gegenüber der NWZ . „Von Woche zu Woche auf die aktuelle Lehrerversorgung zu reagieren, ist im Rahmen des Öffentlichen Personennahverkehrs nicht möglich.“ Werde der Schülerandrang nach der 5. Stunde indes zur Dauersituation, so erwartet Fürup, darüber von der Schulleitung in Kenntnis gesetzt zu werden. Der Schulamtsleiter empfiehlt den Schülern, bis nach der 6. Stunde im Schulgebäude zu verweilen.
Für Rektor Stephan Piper hängt der überfüllte Schulbus in Richtung Kirchhatten ebenfalls mit dem Unterrichtsausfall zusammen, von dem die Waldschule momentan „mehr als normal“ betroffen sei. So sorgt der Ausfall von drei langzeiterkrankten Lehrkräften für Lücken im Stundenplan. Gleichwohl sieht er Licht am Ende des Tunnels: Einer der Kollegen kehrt nächste Woche in den Dienst zurück, ein weiterer übernächste Woche. In drei Wochen sollen dann alle Langzeitausfälle wieder an Bord sein. Zudem bekomme die Waldschule im Februar eine zusätzliche neue Stelle.
Bruno Schmidt fühlt sich „vertröstet“. Überfüllte Busse seien nicht erst seit kurzem, sondern schon seit vielen Jahren Ärgernis und Gefahrenquelle, sagt der Kirchhatter. Marcel ist bereits sein drittes Kind, das die Waldschule besucht.
