Die Daun-Gruppe ist bereits die größte deutsche Textilindustrie-Gruppe. Dazu gehören weltweit 22 000 Arbeitsplätze.

Von Rüdiger zu Klampen

und den Agenturen

RASTEDE/DEGGENDORF - Der Rasteder Unternehmer Claas E. Daun, Kopf der größten deutschen Textilindustrie-Gruppe, steigt bei den insolventen Textilwerken Deggendorf (TWD) ein. 947 Arbeitsplätze von einst etwa 1020 in Deggendorf (Niederbayern) und Glauchau (Sachsen) sind damit vorerst gerettet. Er sei überzeugt, dass man die Textilien-Produktion „am Standort Deutschland weiterführen kann“, sagte Daun gestern im Gespräch mit dieser Zeitung.

Zuvor war er auf einer Betriebsversammlung als Retter gefeiert worden. Die Beschäftigten werden – wie während der Übernahmeverhandlungen ausgehandelt – für den gleichen Lohn mehr arbeiten, um das Unternehmen zu erhalten. „Wir müssen uns am Riemen reißen“, sagte Daun, der auf eine hochmoderne Fertigung als Standortvorteil verwies. In der Belegschaft sei jetzt ein „Motivationsschub“ spürbar.

Über TWD, im 35 000-Einwohner-Städtchen Deggendorf der wichtigste Arbeitgeber, war am 1. Mai das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Insolvenzverwalter Michael Jaffé lobte die schnelle und zielstrebige Zusammenarbeit von Lieferanten, Banken, Gewerkschaft und Mitarbeitern. Nur so sei es gelungen, trotz schwierigster Marktbedingungen den „hochkarätigen Investor“ zu finden. Im vergangenen Jahr erzielten die TWD noch einen Umsatz von rund 126,5 Millionen Euro – etwa 90 Millionen Euro mit Vorprodukten (technische Garne für verschiedenste Zwecke), rund 30 Millionen Euro mit Strümpfen.


Die Daun & Cie. AG ist die größte deutsche Textilindustrie-Gruppe mit rund 22 000 Mitarbeitern weltweit und 8000 im Inland. Zu ihr zählen die Textilmarken NKD, KBC-Lörrach, Mehler, Lauffenmühle, Stöhr, OLBO, Märkische Faser und Unland. Daun hat in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Firmen gekauft und saniert – und teilweise auch weiterverkauft (wie kürzlich das Aktienpaket des Autozulieferers Phoenix).

Daun sagte, die Neuerwerbung passe zu dem vorhandePortfolio an Firmen, die jeweils dezentral operierten, insgesamt aber die verschiedenen Wertschöpfungsstufen der Branche abdeckten und Synergien nutzen könnten. Teilweise gebe es bereits Handelsbeziehungen zu TWD – so etwa bei Unland-Gardinen. Die anderen Firmen in der Gruppe könnten TWD „neue Kunden“ erschließen.

Zu TWD gehört neben dem Vorprodukte-Werk in Deggendorf ein Standort im sächsischen Glauchau, an dem ein Riesensortiment an Feinstrumpfhosen gefertigt werde. Glauchau sei u.a. „führend im No-Name-Bereich“. Ein drittes TWD-Werk mit etwa 300 Arbeitsplätzen ist in Tschechien.