Nordenham - Einen Tag früher als geplant ist der Kran schon wieder verschwunden gewesen. „Die Arbeiten mussten abgebrochen werden, weil zu viel Wind herrschte“, sagt Peter Kania. Nach Angaben des Amtsleiters für Stadtentwicklung und Bauordnung war es bei den Wetterbedingungen für die Arbeiter zu gefährlich, in einer schaukeligen Krangondel den 50 Meter hohen Rathausturm zu untersuchen.
Aber immerhin schafften sie es, bis Dienstag ihren Auftrag an der Nord- und der Ostfassade des Gebäudes zu erledigen. Das Ausmaß der dort festgestellten Schäden entspricht laut Peter Kania in etwa den Erwartungen. Die beiden anderen Seiten des Turms kommen zu einem späteren, noch nicht festgelegten Termin an die Reihe.
Wie berichtet, muss die Stadt regelmäßig die Außenhaut des Turms inspizieren und ausbessern lassen, weil der altersschwache Beton zu Abplatzungen neigt und auch die Klinker ihre besten Zeiten hinter sich haben. Die Bauarbeiter klopfen das lose Material ab und versiegeln die Löcher mit Epoxidharz.
Statik stimmt
Peter Kania betont, dass die Standfestigkeit des 1972 errichteten Gebäudes, das eine Grundfläche von 15,7 mal 15,7 Metern hat, nicht gefährdet ist. „Aus statischer Sicht bestehen keine Bedenken“, sagt er. Was aus Sicherheitsgründen ein Eingreifen erfordert, das sind die „konstruktiven Schäden“ an der Fassade. Die Stadt will nicht riskieren, dass Beton- oder Klinkerstücke in die Tiefe stürzen und Menschen gefährden.
Davon abgesehen, dass jährliche Kontrollen und Ausbesserungen an den Außenwänden erforderlich sind, steht die Frage im Raum, ob der Turm noch eine Zukunft hat. Lohnt es sich, über 2 Millionen Euro in die über kurz oder lang unvermeidbare Außensanierung zu stecken? Oder ist es sinnvoller, den Turm dem Erdboden gleich zu machen und ihn durch ein neues Gebäude zu ersetzen? Die Abrisskosten würden sich nach ersten Schätzungen auf etwa 650 000 Euro belaufen.
Peter Kania verweist darauf, dass die Bauverwaltung in Abstimmung mit einem externen Sachverständigen die verschiedenen Varianten überprüfen und die jeweiligen Kosten gegenüberstellen will. Allerdings werde das Ergebnis wohl erst im nächsten Jahr vorliegen, so dass sich eventuelle Investitionsmittel frühestens im Haushaltsplan 2017 bereitstellen ließen.
Bei den Überlegungen gelte es auch zu berücksichtigen, „was für den Verwaltungsablauf sinnvoll ist“. Damit bezieht sich Peter Kania auf die Gestaltung und die Erreichbarkeit der Büroräume in dem Hochhaus. Die Stadtverwaltung nutzt dafür die ersten sieben Geschosse, während im achten ein Archiv untergebracht ist. Oberhalb der achten Etage befindet sich ein riesiger Stahltank in dem früheren Wasserturm. Der seit 1992 nicht mehr benötigte Behälter hat ein Fassungsvermögen von 1700 Kubikmetern und könnte nur mit einem erheblichen Aufwand entfernt werden.
Klagen der Mitarbeiter
Die Beschäftigten haben mehrfach darauf hingewiesen, dass die Arbeitsbedingungen in dem schlecht isolierten Turm nicht zumutbar seien. Personalratsvorsitzenden Heiko Siemens spricht von „unerträglichen“ Verhältnissen. Im Sommer sei es kochend heiß in den Büros, und im Winter pfeife der Wind durch die Fensterritzen.
