Sarve - Gralf Meentzen zupft noch schnell ein bisschen Heu aus der Mähne des stattlichen Friesenhengstes. Dann befestigt er die schwarz-rot-goldene Schleife am Halfter des Tieres. Auf dem schwarzen, glänzenden Fell kommen die Farben besonders gut zur Geltung. Die lange wallende Mähne fällt locker herab. Der dreijährige Yvo aus dem Stall des Nordenhamer Züchters wurde bei der Körung der Junghengste in Wickrath bei Mönchengladbach gerade zum Vize-Champion gekürt.
„Sechs Junghengste wurden vorgestellt und nur zwei sind gekört worden“, sagt Gralf Meentzen stolz. Die zentrale Hengstkörung des Friesenpferde Zuchtverbandes (FPZV) findet einmal im Jahr statt. Soll ein Hengst zur Zucht eingesetzt werden, muss er gewisse Kriterien und Leistungsprüfungen erfüllen. Die Eignung wird ihm durch diese sogenannte Körung bescheinigt.
Das Exterieur – also das Erscheinungsbild und der Körperbau des Tieres – ist dabei sehr wichtig. „Das Exterieur muss beim Friesen elegant aber auch etwas barock sein“, sagt Gralf Meentzen. Das Fell muss ganz schwarz sein und darf keine weißen Abzeichen aufweisen. „Und die Bewegung ist wichtig“, fügt der Züchter hinzu. Zur Körung darf längst nicht jedes Tier antreten, sagt er. Es wird eine Vorauswahl getroffen, ob ein Tier geeignet ist, oder nicht.
Guter Charakter zählt
Auch der Charakter der Tiere sei wichtig, zählt Gralf Meentzen weiter auf. Friesen haben im Allgemeinen einen zugänglichen Charakter. „Das ist in der Zucht ganz wichtig“, betont er und hebt noch einmal Yvos Charakterstärke hervor. „Friesen sind sehr umgänglich und gutmütig.“
Die Friesenpferde stammen ursprünglich aus den Niederlanden, berichtet er. Sie wurden früher als Arbeitspferde genutzt. Die Niederlande seien bis ins 16. Jahrhundert unter spanischer Herrschaft gewesen. „Die Spanier haben die Andalusier mitgebracht und mit den friesischen Landstuten gepaart. Die Eleganz der Friesen kommt also von den Andalusiern“, berichtet der Züchter.
Diese Eleganz hat Friesenhengst Yvo eindeutig geerbt und trabt wie zum Beweis majestätisch über den Longierplatz. Der dreijährige Hengst stammt von Fedde fan Horp ab, einem in der Friesenzucht sehr bekannten Zuchthengst.
Sieben Pferde stehen bei Züchter Gralf Meentzen im Stall. Zwei Jährlinge, zwei zweijährige Hengste, zwei Zuchtstuten und der dreijährige Yvo.
Primus, der Friesenhengst, der bei der Hengstkörung 2016 als Champion gekört wurde, hat Züchter Gralf Meentzen bereits verkauft. Ein solcher Titel erhöht den Wert des Tieres noch einmal. Ein Pferd wie Vize-Champion Yvo kostet circa 15 000 Euro, sagt Gralf Meentzen. Aber schließlich koste auch die Ausbildung der Tiere einiges. Yvo ist longiert und angeritten. Die Tiere müssen täglich trainiert werden, um den Muskelaufbau zu fördern. Yvo wurde in den Niederlanden trainiert.
Plaketten und Schleifen
Angefangen hatte Gralf Meentzen eigentlich mit der Zucht von Oldenburgern. Seit 1990 züchtet er Friesen. Der freundliche Charakter der beeindruckenden Tiere haben ihn und seine Familie überzeugt. Jede Menge Auszeichnungen hat ihm seine Zucht bereits eingebracht. Gralf Meentzen selbst wurde mit der silbernen und der goldenen Züchterplakette ausgezeichnet. Die Wände des Hofes zieren zahlreiche Schleifen. Das Umsatteln auf die Friesenzucht hat sich für ihn eindeutig bewährt.
