Januar
Obwohl der SPD-Antrag für eine Einwohnerbefragung im Stadtrat keine Mehrheit findet, halten die Sozialdemokraten an ihrem Vorhaben fest: Auf eigene Kosten verschicken sie Stimmzettel an alle Braker Haushalte.
Februar
Das Ergebnis der Einwohnerbefragung überrascht nicht: Die Braker wollen keine Erhöhung der Grundteuer. Allerdings haben nur 7,5 Prozent von ihnen überhaupt ein Kreuz gemacht. Die Aktion reißt ein Loch in die Parteikasse, woraufhin der Vorstand den Mitgliederbeitrag erhöhen muss – vorher werden aber die Mitglieder befragt.
März
Apropos Geld: Der Vorstand der Centraltheatergenossenschaft hat das Geld für die Sanierung noch nicht zusammen und springt deshalb über seinen Schatten: Er zockt mit einem Teil des Eigenkapitals. Für neun Euro kauft er drei Lose bei der Bingo-Umweltlotterie – und gewinnt. Gerüchte, dass Fernsehmoderator und „Bingo-Bär“ Michael Thürnau bei der Ziehung seine Kontakte hat spielen lassen, um einen repräsentativen Austragungsort für einen Film mit ihm in tragender Rolle zu haben, werden schnell entkräftet: Es ist gar kein Film geplant.
April
Die Stadt wartet immer noch auf Antwort aus Hannover. Bis auf die Eingangsbestätigung für die Stellungnahme hat sich das Landwirtschaftsministerium in Sachen Lidl-Ansiedlung auf dem Fasting-Gelände an der Weserstraße noch nicht gerührt. Die Androhung zur Untersagung des Bebauungsplans gilt damit noch. Die hiesigen Landtagsabgeordneten beschließen, den politischen Druck zu erhöhen und bombardieren Ministerin Barbara Otte-Kinast im Wochentakt mit parlamentarischen Anfragen. Bei vier Abgeordneten kommt da einiges zusammen.
Mai
Nach einem erneuten Gerichtsurteil gegen den Bau von Windkraftanlagen regt sich die Politik. Ein Kreistagsabgeordneter entdeckt eine mögliche Lücke im Gesetz. Bei der Diskussion um die Schutzkategorie der Tideweser ist aufgefallen, dass unter bestimmten Bedingungen in dieser auch Offshore-Anlagen möglich sind. Der Antrag: Die Kreisverwaltung soll überprüfen, wie die Windräder möglichst problemlos umgesetzt werden können – samt Umweltverträglichkeitsprüfung.
Juni
Die Anfrageflut der Wesermarsch-Abgeordneten zeigt erste Wirkung. Wie die NWZ erfährt, gibt es auf den Fluren des Landwirtschaftsministeriums kein anderes Thema mehr. Erste Mitarbeiter bitten ob der einseitigen Arbeitsüberlastung um Versetzung. Noch aber hält die Ministerin ihre Androhung zur Untersagung des Bebauungsplans aufrecht. Eine offizielle Antwort auf die Stellungnahme der Stadt gibt es hingegen immer noch nicht.
Sommermärchen in Brake: Es findet sich ein Sponsor, der ein Open Air zur Fußball-Weltmeisterschaft in Russland (14. Juni bis 15. Juli) an der Kaje möglich macht. Weil das selbst in Oldenburg nicht klappt, strömen die Menschen nur so ans Weserufer. Bleiben können sie nicht, da Hotelbetten fehlen.
Mitten unter den Feiernden ist auch die 1. Herrenmannschaft des SV Brake. Die schafft mit ihrer furiosen Rückrunde nicht nur den Aufstieg in die Landesliga, vor allem weckt sie mit dem Torverhältnis von 111:1 (das einige Gegentor fällt dummerweise im letzten Saisonspiel durch einen vom Schiedsrichter abgefälschten Ball) das Interesse eines österreichischen Brauseherstellers. Der bietet ein Sponsoringpaket samt Stadionneubau an. Bei den Planungen kann er auf Bestehendes zurückgreifen: In Oldenburg liegen Stadionpläne noch in der Schublade. Die Braker Verantwortlichen zögern aber, ob sie das Angebot samt Namensänderung in RB Brake annehmen oder auf Tradition setzen sollen.
Juli
Der österreichische Brausehersteller setzt deshalb noch einen drauf: Er will seine Getränkelogistik künftig komplett über den Braker Hafen abwickeln. Bei seinem Besuch dort fällt ihm ein Philippiner auf, der auf der Pier mit einer Getränkedose kickt. Der Mäzen ist vom technischen Können des 18-Jährigen derart fasziniert, dass er ihn vom Schiff weg einen Profivertrag bis zum Lebensende anbietet. Spielerfahrung soll der Seemann, der bisher nie mit einem richtigen Ball gespielt hat, erst einmal in Salzburg sammeln.
Hotelkapazitäten fehlen übrigens immer noch, auch konkrete Pläne für das Bahnhofsgebäude.
August
Weil die neue Brücke an der Berliner Straße den prognostizierten Zahlen für den Brausetransport vom und in den Hafen nicht gewachsen ist, wird nach neuen Lösungen gesucht. Eine Idee: Man könnte dem österreichischen Brausehersteller anbieten, die Golzwarder Spange nach ihm zu benennen, wenn er sich an deren Finanzierung beteiligt.
September
Eine kreative Gesetzesauslegung macht doch noch die Umsiedlung des Lidl-Marktes auf das Fasting-Gelände möglich: Der Kreisverkehr wird deutlich vergrößert, so dass in seiner Mitte ein Aldi-Markt mit 1500 Quadratmetern Verkaufsfläche Platz findet. So wird ein Konkurrent zufriedengestellt und eine Verbindung zum Fachmarktzentrum hergestellt. Das Landwirtschaftsministerium, das sich immer noch nicht gerührt hat, hat so keine Argumente mehr für ein Nein. Um den Flächenverbrauch einzugrenzen, wird auf Parkplätze verzichtet. Die stehen auf dem Dach des alten Aldi-Marktes an der Fußgängerzone zur Verfügung. Ein Pendelverkehr wird eingerichtet und als ganz neues Einkaufserlebnis vermarktet. Zugleich wird die Innenstadt belebt – zumindest mit Autoverkehr.
Oktober
In der Euphorie um den Aldi-Bau auf dem Kreisverkehr werden die Schwertransporte zum Hafen ganz vergessen. Ein Überfahren des Kreisels ist nun ja nicht mehr möglich. Es wird über eine Brücke über den Kreisel nachgedacht – zumindest wenn es mit der Golzwarder Spange mit dem Namen eines österreichischen Brauseherstellers nichts werden sollte.
November
Es deuten sich überraschend hohe Gewerbesteuereinnahmen an. Die SPD beantragt die Senkung der Grundsteuer – vorher sollen aber die Einwohner befragt werden.
Dezember
Am 28. Dezember rollen an der Weserstraße die Bagger – mit einem Jahr Verspätung. Weil in Hannover jemand nicht genau hingeschaut hat, fließen sogar noch Fördergelder für die Sanierung der Straße, die die Stadt längst abgeschrieben hat.
