Elisabethgroden - Der Schafstall der Deichschäferei in Elisabethgroden direkt am Deich hat sich längst in eine Kinderstube verwandelt: Etwa 700 Lämmer haben dort bereits das Licht der Welt erblickt. Während die älteren schon Stall und Hof erkunden, neugierig auf Besucher zutapsen, nur um in der nächsten Sekunde die Flucht zu ergreifen, springend, rennend, voller Übermut, kuscheln sich die kleinen erst wenige Tage alten Lämmchen ins Stroh an der Seite ihrer Mütter.

Noch sind die Kleinen nicht auf den Deichen zu sehen, lange wird es aber nicht mehr dauern, dann werden auch sie vor nordfriesischer Kulisse herumtollen. „Es muss trocken sein, viel Regen ist nicht gut für die Tiere“, weiß Schäfer Rainer Gerken. „Der kalte Wind hingegen macht den Schafen wenig aus, dafür haben sie die dicke Wolle“, erklärt er. In der nächsten Zeit rechnet Gerken noch mit weiteren 250 bis 300 Lämmern, die geboren werden. „So gut um die 1000 Lämmer habe ich jedes Jahr“, erklärt er. Dazu kommen etwa 850 ausgewachsene Schafe. Mit seinen Tieren pflegt er acht Kilometer Deich voll und sechs Kilometer Deich im Frühjahr und im Herbst. Die Schafe sorgen für die Deichbefestigung und leisten somit einen wichtigen Beitrag zum Küstenschutz. „Sie verdichten die Erde und halten die Grasnarbe dicht, ohne sie zu beschädigen“, erklärt Gerken. Sie ersetzten so aufwendige Pflegearbeiten an den Deichen. „Sonst müsste man wohl mit Rasenmäher und Walze ständig unterwegs sein“, meint Gerken.

Er appelliert an die Hundehalter ihre Vierbeiner grundsätzlich von den Schafen fernzuhalten. „Hunde haben am Deich nichts zu suchen“, betont er. Sie würden die Tiere in Stress versetzten und im schlimmsten Fall scheuchen. „So finden die Lämmer ihre Mütter nicht mehr wieder und verhungern – solche Fälle habe ich immer mal wieder“, ärgert er sich.

Sollten Passanten dieser Tage allerdings ein Schaf sehen, das hilflos auf dem Rücken liegt, dann bittet er darum das Tier wieder auf die Füße zu stellen. „Aus eigener Kraft schaffen das die Schafe oft nicht und sterben, wenn sie nicht rechtzeitig gefunden werden“, erklärt Gerken.