SCHARRELERDAMM - SCHARRELERDAMM - Die schattige Ecke mit den massiven Ruhebänken unter alten Bäumen ist der Dorfplatz und ein beliebter Treff- und Rastpunkt für Radwanderer und Spaziergänger. Einst standen hier Werkstatt und Verwaltungsgebäude einer Torffabrik. Das 1268 Quadratmeter große Grundstück nördlich des Küstenkanals an der Kreuzung Scharreler Damm/Alter Scharreler Damm gehört jetzt der Stadt Friesoythe. Nur wenige Schritte weiter beginnt das Saterland.

Alfred Pörschke (72) wohnt gleich um die Ecke. Das frühere Werkstattgelände hat der Rentner vor vier Jahren gemeinsam mit weiteren Anliegern in wochenlanger Arbeit hergerichtet. Seit 1965 die damalige Treibtorf GmbH ihr Geschäft nach Ausbeutung des Hochmoores aufgegeben und die Gebäude abgerissen hatte, lag das Grundstück brach und verwilderte. „Da war ein historischer Platz zum Schandfleck verkommen. Niemand fühlte sich zuständig und kümmerte sich darum“, erinnern sich Alfred Pörschke und seine Mitstreiter Berta Kapels (68), Hella (62) und Herbert (71) Drzemalla sowie Anna Kampen (69). Die Anwohner wandten sich an die Stadt Friesoythe. Dort habe ihnen Bauamtsleiter Peter Fabian damals beschieden, sie könnten das Grundstück herrichten und Ruhebänke und Tische aufstellen. Allerdings könne die Stadt Friesoythe dafür kein Geld ausgegeben.

Auf diese Zusage bauend, spuckten die Anlieger gleich kräftig in die Hände und griffen zu Schaufeln und Harken. Wochen später präsentierten sie ein aufgeräumtes und neu bepflanztes Areal mit zwei Sitz- und Ruheecken. Die Stadt Friesoythe musste keinen Cent zuzahlen. Am Eingang weist nun ein hölzernes Schild mit der Aufschrift „Treibtorf-Eck“ auf die historische Bedeutung des Geländes hin. „Seitdem“, so Berta Kapels, „hat sich hier ein reges Leben entwickelt. Viele Urlauber, die mit Fahrrädern die Region erkunden, halten hier an, um eine Pause einzulegen“. Außerdem habe sich der Dorfplatz zu einem beliebten Treffpunkt der Anwohner entwickelt. „Darauf wollen wir nicht wieder verzichten“, sagt Anna Kampen.

Auf die Palme gebracht hat die Anlieger nun das Vorhaben der Stadt Friesoythe, die Grünfläche als Baugrundstück zu verkaufen. Alfred Pörschke: „Wir staunten nicht schlecht, als Arbeiter der Friesoyther Stadtverwaltung hier in der letzten Woche unerwartet ein Schild aufstellten, auf dem für den Verkauf des Grundstückes geworben wird.“ Telefonische Beschwerden der Anlieger im Friesoyther Rathaus hatten Erfolg. Das Schild wurde rasch wieder entfernt. Und auch von der Internet-Homepage der Stadt Friesoythe verschwand das Verkaufsangebot in der vorigen Woche. Tage zuvor hatte die Stadt dort noch 12 680 Euro für das „voll erschlossene“ Grundstück verlangt. Pörschke und Kapels: „Da hat unsere Beschwerde wohl zunächst Erfolg gehabt.“

Die Anlieger fürchten jedoch, dass die Stadtverwaltung an ihren Verkaufsabsichten festhält und angesichts ihrer Finanzknappheit das Areal bei nächster Gelegenheit veräußern wird. „Dann wäre der schöne Platz weg und damit auch die Erinnerung an einen wichtigen Teil der Geschichte von Scharrelerdamm“, sagen auch Hella und Herbert Drzemalla.


Friesoythes Erster Stadtrat Dirk Vorlauf erklärte auf Anfrage der NWZ zu den Verkaufsabsichten der Stadt, nach den Protesten der Anlieger werde die Verwaltung dem Stadtrat das Thema zur Beratung vorlegen. Vorlauf: „Es gibt Bedarf, das Thema politisch zu diskutieren. Der Rat muss dann entscheiden, ob das Grundstück in Scharrelerdamm verkauft werden soll.“ Grundsätzlich habe die Verwaltung jedoch den Auftrag des Stadtrates, den Verkauf aller entbehrlichen Liegenschaften der Kommune zu überprüfen.