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Jungzüchter Schaulaufen mit fremden Schafen

Gabriele Bode

Jade/Ovelgönne/Innsbruck - Wie bringt man ein fremdes Schaf dazu, sich möglichst gut vor Richtern oder Pressefotografen zu präsentieren? „Mit beiden Händen ans Halfter fassen, einen kleinen Schritt vorziehen und dann kraulen. Die Füße des Tieres sollten jeweils direkt nebeneinander stehen“, erklärt Heiko Schmidt immer wieder mit einer Engelsgeduld. Während ein Teil der zwölf norddeutschen Teilnehmer der 1. europäischen Jungzüchtermeisterschaft mit den Schafen im Kuhstall des Vorsitzenden des Landesschafzuchtverbands Weser-Ems das Schaulaufen probt, übt ein anderer das Binden des Halfters. Noch viel zu tun gibt es, denn sowohl praktisch als auch theoretisch wollen die in allen drei Klassen antretenden Jungen und Mädchen dieses Wochenende in Innsbruck fit sein.

„Aber viel wichtiger als der Sieg ist das Dabeisein. Dass wir mit einer der stärksten Gruppen und noch dazu der einzigen aus dem gesamten Norden dorthin reisen, ist nur der überaus engagierten Jugendarbeit von Heiko Schmidt und Meike Avramut-Lampe zu verdanken“, lobt Schafzüchter und Vater Tino Barth aus Twistringen.

Mit Tieren arbeiten

Tochter Selma macht mit ihren acht Jahren bei der Gruppe „Kinder“ mit und Aniko gehört zu den „Junioren“ zwischen zehn und 14 Jahren. Fabienne, die älteste des Barth-Trios, wird gemeinsam mit Marie Kathleen Rodemeier und Sebastian Ostmann als Team in der Masterklasse (15 bis 25 Jahre) antreten. Auch wenn die 19-Jährige die Schafzucht quasi im Blut hat, muss sie noch einiges lernen.

Marla, mit sieben die jüngste der Weser-Ems-Auswahl, ist Schaf-Fan geworden, nachdem ihr großer Bruder Ben Tade im Sommer an Meike Avramut-Lampes Ferienspaßaktion teilnahm. Ein Schaf können die Geschwister leider nicht zu Hause halten. „Ich finde der Umgang mit diesen Tieren ist ein tolles Hobby. Die Kinder lernen dabei fürs Leben. Sie lernen Verantwortung zu tragen und Rücksicht zu nehmen. Und sie haben jede Menge Spaß dabei. Da sind die Fahrdienste für mich kein Problem“, so ihre Mutter Christa Schnelle. Jann-Ole Wehen begeisterte sich nach der Jader Ferienpassaktion sogar so sehr für die wolligen Tiere, dass er sich eines zum 10. Geburtstag wünschte. „Das weißköpfige, gutmütige Fleischschaf Paula war nicht mehr für die Zucht tauglich. Wir haben ihr durch unseren Kauf das Leben gerettet. Sie läuft aus Ermangelung einer Weide aber weiterhin in der Schafherde von Meike mit“, verrät Jann-Oles Mutter Nadja Vahrenkamp.

Fragen-Katalog

Eigene Schafe können zur Europameisterschaft aufgrund der Entfernung und der Einfuhrbestimmungen nicht mitgenommen werden. Statt mit weißköpfigen Fleischschafen muss der norddeutsche Züchternachwuchs in Österreich mit Tiroler Bergschafen zurechtkommen. Aber auch sprachlich werden es die Kinder aus dem hohen Norden gegenüber den anderen beiden deutschen Teams aus Bayern und Baden-Württemberg schwer haben. Viele gängige Begriffe unterscheiden sich regional. Wie gut, dass der Katalog mit 123 Fragen zu Pflege, Haltung und Gesundheit der Tiere vorher geübt werden kann.


Sehr froh ist die Gruppe neben der Unterstützung des Schafzüchterverbands über die Sponsoren, die die rund 5000 Euro kostende Reise überhaupt erst ermöglichten.

Jetzt geht es per Bahn ins verschneite Österreich, um gegen die Teams aus Tirol, der Steiermark oder Süddeutschland anzutreten. Und falls es mit dem Siegen nicht klappen sollte, so werden die zwölf Teilnehmer und ihre Begleiter wenigstens ein paar Stunden im Schnee genießen können, bevor am Montag die Heimreise ansteht.

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