SCHIERBROK - Peter Schierloh blickte voraus auf den 3. Oktober: „Dann feiern wir in Bremen 20 Jahre deutsche Einheit – aber Schierbrok und Stenum bleiben dauerhaft getrennt!“ Was der Ratsherr am Mittwochabend im Ausschuss für Straßen, Verkehr, Umweltschutz und Landwirtschaft mit launigen Worten beschrieb, ist die tägliche Geduldsprobe für Bewohner und Passanten vor dem Bahnübergang im Zuge der Kreisstraße 227 (Bahnhofstraße): Schon jetzt rollen in 24 Stunden rund 180 Züge durch Schierbrok – nach der Fertigstellung des Jade-Weser-Ports werden die Schranken noch öfter und länger unten bleiben.

Eine Untertunnelung oder Überführung der Bahnlinie ist seit Jahrzehnten im Gespräch – eine Machbarkeitsstudie dafür wird „grundsätzlich befürwortet“, empfahl der Ausschuss am Mittwoch einstimmig. Über die erforderlichen Mittel für diese Studie – nach Verwaltungsschätzung ca. 30 000 Euro – soll bei den Haushaltsberatungen 2011 entschieden werden.

Der Landkreis Oldenburg wird sich an der Finanzierung der Studie nicht beteiligen. Das hatten dessen Vertreter im Vorfeld unmissverständlich klargestellt, zugleich aber betont, bei einer Verwirklichung der Baumaßnahme würden der Gemeinde die Kosten der Studie anteilig erstattet.

Die Mutmaßung der Gemeindeverwaltung, dass der Landkreis sich auch bei der Baumaßnahme selbst nicht engagieren werde, wies Landrat Frank Eger am Mittwoch entschieden zurück: „Wenn das Gutachten ergibt, dass eine Unter- oder Überführung gebaut werden soll, wird der Landkreis sich an den Kosten beteiligen.“ Über die Aufteilung müsse auch mit der Bahn gesprochen werden – ob das Eisenbahnfinanzierungsgesetz, das eine Drittelung der Kosten vorsieht, in Schierbrok zur Anwendung gelangen könne, sei unklar. Eger: „Auf jeden Fall wären dann aber die Gutachtenkosten Bestandteil der Herstellungskosten“.

Vorerst müsste die Gemeinde aber die Studie allein bezahlen. Und das sollte sie auch, lautete die nahezu einhellige Empfehlung der Ausschussmitglieder. „Wir sollten rechtzeitig Pflöcke einschlagen“, betonte Ralf Eilers (SPD), um der Bahn zu zeigen, wie wichtig dieses Projekt der Gemeinde ist. Ein zügiges Signal zu setzen für die Notwendigkeit der Baumaßnahme, forderte ebenso Hans-Jürgen Hespe (FDP). „Dann bin ich sicher, dass wir auch im Kreistag eine Mehrheit dafür finden werden“.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)