SCHILLIG - SCHILLIG - Im Unterhemd steht Walter Weishaupt vor seinem Wohnwagen. Auf dem Gehweg zu seinen Füßen spiegeln sich Pfützen, über ihm türmen sich die Regenwolken und der Weg zwischen den Wohnwagen ist von einer Schlammschicht bedeckt. Wahrlich kein Urlaubsmotiv. Aber der 84-jährige Bielefelder ist trotzdem in Urlaubsstimmung. „Einfach herrlich, diese Seeluft, das Meer“, sagt der Dauercamper, der bereits seit mehr als 30 Jahren in Schillig campt.
Für Charly Wiesmann aus dem Kreis Steinfurt ist der Campingplatz an der Nordsee noch Neuland. Er vertreibt sich die anhaltende Schlecht-Wetter-Periode mit Roller-Reparatur und Shopping in Wilhelmshaven und Jever. „Ich bin hier, weil meinem kleinen Sohn Lennart die Luft hier oben so gut bekommt“, sagt der Familienvater.
Auch Marie Röhr aus Haste feiert in Schillig Camping-Premiere. Gemeinsam mit ihrem Mann hält sie ihre drei Enkelkinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren in Schach. „Hoffentlich wird das Wetter bald besser, man kann die Kinder doch nicht den ganzen Tag im Wohnwagen beschäftigen“, sagt die Rentnerin.
Von Dauercamperin Hanna Meyer aus Minden perlt das Schmuddelwetter hingegen geradezu ab. Sie ist mit ihrem Wohnwagen bereits seit Ende März auf dem Platz und hat beinahe alle Wetterlagen schon durchgestanden. „Bei Regen wird gelesen oder gestrickt“, sagt die resolute Dame. Ansonsten lautet ihr Programm montags Walking, dienstags Rad fahren, mittwochs Schwimmen. Der Rest der Woche wird flexibel gehandhabt. Punkt.
„Ab ins Spielhaus“, lautete das Motto der Georgsmarienhütter Familie Wöhrmeyer in den vergangenen Tagen. Bei Dauerregen haben die Camper aus dem Osnabrücker Raum Freunde in Sande und Oldenburg besucht. „Für unsere drei Kinder ist der Platz hier ideal, weil sie überall Spielkameraden treffen können und bei Regen gehen wir ins Hallenbad oder Spielhaus“, sagt Frank Wöhrmeyer. Die Familie ist seit mehr als drei Wochen auf dem Platz und genießt die Ungezwungenheit.
Stefanie Engelmann aus Unna gehört zu den hartgesottenen Campern, die die Regentage im Zelt verbringen. Während sie Kaffee trinkt, krabbeln ihre beiden 20 Monate alten Zwillingstöchter Ashley und Michelle in Regenzeug und Gummistiefeln durch den Matsch und erobern einen Berg aus Kieselsteinen. „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung“ lautet ihr Motto. Die 18-jährige Mutter will gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter noch bis Sonnabend bleiben.
Ausharren trotz des Wetters wollen auch Janntje, Jana und Yannick aus Delmenhorst in ihren Kuppelzelten. Die Schüler sind mit Kumpeln auf Zelttour an der Nordsee und finden es ziemlich cool in Schillig. „Man kann hier machen, was man will und richtig die Sau rauslassen“, strahlt der 16-jährige Yannick. Vor den Zelten türmen sich Bierflaschen, Plastikbesteck und leere Konservendosen. Zum Frühstück gab‘s bei den Schülern Brötchen mit Nutella und Fleischsalat. Zwischendurch kühlt sich die Jugend von der Delme im Nordseewasser ab.
Von einem Stimmungstief bei den Campern hat Elfriede Zipperle noch nichts gespürt. Die gute Seele vom Platz nimmt die Camper in Empfang und regelt An- und Abreiseformalitäten. „Wer hier campt, weiß, dass es keine Sonnenscheingarantie gibt“, sagt die Wangerländerin. Deshalb halte sich die Meckerei angesichts des Dauertiefs auch in Grenzen.
Gemeckert wird höchstens wegen kaputter Sanitäranlagen oder lauter Musik. „Aber das ist die Ausnahme, schließlich sorgt unsere Nachtwache für die Einhaltung der Platzordnung“, betont Elfriede Zipperle. Einen Vorteil für Spontanurlauber hat aber auch das Regenwetter: „Es gibt hier noch freie Plätze“, sagt die Campingplatzmitarbeiterin.
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NWZ/JEVER/.1
