SCHILLIG - Donnerstag, sieben Uhr am Morgen, die Sonne ist gerade aufgegangen und direkt wieder hinter einigen Nebelschwaden verschwunden: Es ist wieder Zeit für ein ganz besonderes Ereignis: der Saisonstart auf dem Campingplatz in Schillig.
Kamerateams und Fotografen drängen sich vor einer Schranke im Kampf um den besten Blick, und hinter dieser Schranke reihen sich Stoßstange an Stoßstange Autos mit Wohnwagen. Einige der Camper waren schon am Vortag angereist und haben die ganze Nacht gewartet, um einen der vorderen Plätze in der Schlange zu ergattern.
Und dann geht plötzlich alles ganz schnell: Die Schranken werden frei gegeben und wie fleißige Ameisen strömen die Camper mit ihren Anhängern auf den Platz und verteilen sich. Jeder weiß genau, wo er hin muss, denn es sind die Saisoncamper, die als erste auf den Platz dürfen, um ihre festen Parzellen zu beziehen.
Teilweise werden sogar Absprachen untereinander getroffen, wer wann anreist, damit man sich nicht gegenseitig in den engen Gassen im Weg steht. Und wenn das doch einmal vorkommt, dann wird mit einem kräftigen Hauruck einfach mit angepackt und der Wagen des Nachbarn an den rechten Platz gerückt.
Das ist echte Millimeterarbeit, denn schließlich müssen am Ende alle Anschlüsse sitzen. Dann wird noch in Windeseile der Rest aufgebaut und der Urlaub kann beginnen.
Volker Sternberg aus Wildeshausen kommt seit 30 Jahren auf den Campingplatz in Schillig und ist jedes Jahr aufs Neue am ersten Tag mit dabei. Das ist schon fast ein Ritual, sagte er grinsend. Warum er ausgerechnet immer wieder nach Schillig kommt, begründet er so: Man kennt schon alles und muss sich nicht erst einleben, daher ist es einfach von Anfang an pure Erholung fast schon ein zweites Zuhause, strahlt er trotz kühler Temperaturen und freut sich schon auf die kommende Zeit.
Marketingleiter Friedo Gerdes von der Wangerland Touristik kennt die Faszination dieses Campingplatzes: Der Standort direkt am Meer ist einzigartig, zudem ist die Anlage auch einer der größten und ältesten Campingplätze in Deutschland, meint Gerdes. Auch er schaut sich die Saisoneröffnung jedes Jahr gerne wieder an. Das ist ein Spektakel, bei dem man zwischen Lächeln und Kopfschütteln schwankt, aber am Ende einfach Freude empfindet.
In diesem Jahr kann der Saisonauftakt sogar noch als harmlos gewertet werden, denn es gab bereits Jahre, in denen die wartenden Camper bis weit über den Deich auf der Hauptstraße standen. Was auffällt, ist einerseits die gespannte Stimmung, in der alle auf die Öffnung der Schranken hinfiebern, andererseits aber die absolute Gelassenheit und Hilfsbereitschaft unter den Campern. Man kennt sich halt, und wenn man den Nachbarn helfen kann, steht einem erholsamen Urlaub nichts mehr im Weg.
