Damme - Der Strukturwandel und Konzentrationsprozess in der deutschen Schlachtbrache hat sich auch 2014 fortgesetzt. Von den 58,85 Millionen Schweinen (plus 0,2 Prozent), die 2014 hierzulande geschlachtet wurden, entfiel allein auf die zehn größten Betriebe ein Marktanteil von 75,9 Prozent, wie aus der jetzt veröffentlichten Rangliste der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN/Damme) hervorgeht. Das waren noch einmal 1,3 Prozentpunkte mehr als 2013.
Allein die vier größten Schweineschlachtbetriebe in Deutschland – Tönnies (Rheda-Wiedenbrück), Vion (Düsseldorf), Westfleisch (Münster) und Danish Crown (Essen/Oldenburg) – kommen zusammen auf einen Marktanteil von 59,4 Prozent.
Vion mit Einbußen
Dabei ist die Entwicklung unter den Branchenriesen aber keinesfalls einheitlich. Während Marktführer Tönnies – auch durch Zukäufe von Betrieben – die Zahl der Schlachtungen hierzulande um weitere vier Prozent auf nun 15,6 Millionen steigern konnte, musste Vion als Nummer zwei in Deutschland erhebliche Kapazitäten abbauen. Unter anderem weil die Standorte in Lingen, Weimar und Minden geschlossen wurden, sank die Zahl der Schlachtungen um 5,2 Prozent auf 9,1 Millionen Tiere.
Solide mit einem Plus von 3,2 Prozent auf 7,65 Millionen Schlachtungen entwickelte sich Westfleisch als Nummer drei der Branche, während bei Danish Crown 2014 nur noch 2,6 Millionen Schweine an den Haken kamen – 5,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Marktexperten der ISN führen dies u.a. auf die Preispolitik von Danish Crown zurück, die häufig von der Preisempfehlung der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften (VEZG) abwich.
Mit 2,45 Millionen geschlachteten Schweinen (plus 6,5 Prozent) ist die Firma Vogler (Luckau) Danish Crown mittlerweile dicht auf den Fersen. Aus dem Nordwesten schafften es laut ISN noch zwei weitere Unternehmen in die Top Ten: Böseler Goldschmaus (Garrel) mit 1,68 Millionen Schlachtungen (plus 9,8 Prozent) auf Rang sieben und der BMR Schlachthof (Garrel) mit 1,35 Millionen Schlachtungen (minus 3,6 Prozent) auf Rang neun.
Herausforderung Tierwohl
Bei der ISN geht man davon aus, dass sich Strukturwandel und Konzentrationsprozess fortsetzen werden. Das russische Importembargo, der Mindestlohn und die wachsenden Anforderungen im Hinblick auf das Tierwohl stellten die Branche vor zusätzliche Herausforderungen.
„Die Geschwindigkeit, in der sich die stetig wachsensen gesellschaftlichen und gesetzlichen Anforderungen erhöhen, hat im vergangenen Jahr noch einmal rasant zugenommen“, sagt ISN-Marktexperte Matthias Quaing. „Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, diesen Ansprüchen gerecht zu werden, ohne die internationale Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel zu setzen.“
Gerade für die kleineren Unternehmen der Branche bleibe so oft nur die Alternative, eine Nische zu bedienen oder sich den Großen anzuschließen. Die Alternativen lauteten somit häufig nur „wachsen oder weichen“.
