Immer - Wer mit seinem Hund am „Kamphusmoor“ Gassi geht, könnte bemerken, dass der Vierbeiner gerne der Witterung folgen würde. Mitten in einem Wäldchen zwischen Hoyerswege und Immer sind nämlich die Großhandelsbetriebe von Horst Dierks angesiedelt, die beide mit getrockneten oder gefrorenen Tierfutterspezialitäten handeln. Vor 22 Jahren zog der Oldenburger mit seinem Betrieb in die Gemeinde Ganderkesee.
In Riedels Reich gibt es viel zu entdecken, zu riechen und fühlen. „Wir bekommen hier jede Woche 14 Tonnen Frischfleisch aus aller Welt“, erläutert der 63-jährige Unternehmer. Rind, Fisch, Wild, Ziegen und Geflügel würden frisch angeliefert, meistens aus Deutschland. Exoten wie Känguru und Strauss kämen tiefgekühlt aus Australien, Pferdefleisch aus Mexiko. 1260 verschiedene Artikel umfasse sein Sortiment.
Gerade wird auf dem Hof ein Transporter des Logistikers GLS beladen. „Wir verschicken pro Woche 320 Pakete mit je 27 Kilo gefrorenem Tierfutter“, sagt Horst Dierks. Nur mit einem 24-stündigen Versand sei es möglich, tiefgekühlte Ware per Post zu verschicken. „Kurz vor dem Poststreik haben wir DHL aufgegeben, das Risiko war uns zu groß.“ Von Leer bis Berlin, von Flensburg bis ins Ruhrgebiet reiche sein größtenteils aus Tierhandlungen und Züchtern bestehender Kundenstamm.
In den Kühlhäusern lagern tiefgefrorene Futterkreationen, die der Inhaber nach Absprache mit einem Veterinär selbst anmischt. Dabei berücksichtigt er auch den Geschmack der eigenen Tiere. „Meine Hunde sind alle gesund und werden alt“, freut sich Horst Dierks. Ein befreundeter Züchter hätte das Durchschnittsalter seiner Doggen durch einen Futterwechsel von acht auf bis zu 14 Jahre steigern können.
Die Temperaturunterschiede auf dem Betriebsgelände sind enorm: von Minus 18 Grad in den Kühlhäusern bis zu 80 Grad Plus in den Trocknungsanlagen. So verlockend sich die niedrigen Temperaturen im Sommer auch anhörten – angenehm seien sie nicht, verrät Betriebsleiter Detlef Riedel: „Man macht zwei Schritte nach draußen und hat 50 Grad Temperaturunterschied. Der Körper ist aber nach längerer Zeit im Kalten auf ,Warmhalten’ eingestellt. Das ist so, als würde man in einer dicken Bettdecke herumlaufen.“
In jeder Ecke stapelt sich die Ware. Getrocknete Strauss-Hälse im einen Regal, frische Kuhmägen im Wareneingang, Hühnerfüße hier und knusprige Kopfhaut zum Knabbern dort. Da auch die Kühlanlagen bereits voll sind, summen im Hof Spezialcontainer. Horst Dierks’ Betrieben geht der Platz aus. Dabei wäre das Gelände, das früher mal einen Schlachthof beheimatete, eigentlich groß genug für eine Expansion. „Ich habe hier 28 000 Quadratmeter Fläche. Doch das Sonderindustriegebiet endet schon fünf Meter vor meinem Haus.“
Die Gemeinde habe bereits Zustimmung signalisiert, es hänge nur noch am Landkreis. Wachstum ist Horst Dierks wichtig, schließlich geht es um sein unternehmerisches Erbe: „Ich habe über 30 Angestellte, für die möchte ich das Gewerbe zukunftsfähig machen und später in sichere Hände übergeben.“
