immer größere schiffe brauchen deutlich mehr platz für wendemanöver
Immer größere Schiffe
werden auf den Werften gebaut. In der internationalen Container-Schifffahrt sind die neuen Transporter bis zu 400 Meter lang. Häfen, die im Wettbewerb bestehen wollen, müssen ihnen Wendeplätze bieten. Die bestehende 750 Meter lange und 450 Meter breite Notwendestelle vor dem Container-Terminal Bremerhaven reicht nicht mehr aus. Sie soll in eine neue Wendestelle integriert werden. Deren südlicher Abschnitt wird 875 Meter lang und 525 Meter breit sein, der nördliche Abschnitt ist einen Kilometer lang und 600 Meter breit.Die Bauarbeiten
sollen im Juni beginnen und drei bis vier Monate dauern. Dabei fallen 2,2 Millionen Kubikmeter Schlick unterschiedlicher Konsistenz an. Der Großteil des Abraums wird in die Norderweiterung des Braker Hafens eingebaut, der Rest wird bei den Buhnen des Leitwerks Robben-Südsteert verklappt. Um das Becken trotz der Wasserbewegungen zu erhalten, sind an 60 bis 120 Tagen im Jahr Unterhaltungsarbeiten erforderlich, bei denen bis zu zwei Millionen Kubikmeter Schlick ausgebaggert werden. Sie sollen im Wattenmeer verklappt werden.Planfeststellungsbehördeist die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Aurich. Die Angelegenheit pressiert: Eigentlich hätte die Stellungnahme der Stadt schon einen Tag vor der Sitzung des Umweltschutzausschusses fertig sein müssen.Die Verärgerung sitzt tief. Deshalb gaben die Ratsgremien eine negative Stellungnahme zu dem Vorhaben ab.
von henning bielefeld
NORDENHAM - Der Verwaltungsausschuss der Stadt Nordenham erhebt generelle Bedenken gegen den von der BremenPorts GmbH beantragten Bau einer Schiffswendestelle vor dem Container-Terminal Bremerhaven. Genau wie zuvor der Umweltschutzausschuss fordert auch dieses Gremium „eine möglichst detaillierte Beweissicherung zur Entwicklung der Sohllage im Bereich des Nordenhamer Strandes“.Bürgermeister Dr. Georg Raffetseder hatte sich zunächst dafür ausgesprochen, „keine generellen Bedenken“ gegen das Vorhaben zu erheben, wohl aber eine Beweissicherung zu fordern. Doch dazu waren beide Gremien aufgrund der negativen Erfahrungen mit den Folgen der Weservertiefungen nicht bereit. Auch die Auskünfte, die ihnen zwei Vertreter von BremenPorts machten, überzeugten sie nicht. Das Hafenunternehmen wurde vertreten durch den Bereichsleiter Genehmigungsplanung und Umweltmanagement, Uwe von Bargen, und den Antragsplaner Ulrich Kraus.
Denn was die Menschen in der Nachbargemeinde Butjadingen schon lange umtreibt, sorgt jetzt auch die Nordenhamer: Mögen die Auswirkungen einzelner Vorhaben auf die Verschlickung auch sehr übersichtlich sein, so sind die Folgen des Wasserbaus in der Unter- und Außenweser insgesamt schlicht katastrophal.
Besonders der frühere Bürgermeister Ulrich Münzberg (SPD) äußerte sich im Umweltschutzausschuss höchst verärgert über den Schlick am Nordenhamer Strand, der auf verschiedene Ausbauten der Weser zurückzuführen ist. Er verwies auch auf die Bedenken, die die Gemeinde Butjadingen, der Butjadinger Entwässerungsverband, die Stadlander Sielacht und der II. Oldenburgische Deichband gegen das Vorhaben erhoben haben. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Ernst-Otto Kruse rief dazu auf, nein zu sagen: „Dann müssen sich Hannover und Bremen bewegen.“ Für die CDU sagte Peter Möllenbeck, BremenPorts müsse die Beseitigung des Schlicks übernehmen. Die Nordenhamer dürften „nicht wieder die Gelackmeierten sein“.
Der Butjadinger Bürgermeister Rolf Blumenberg, der im Ausschuss Rederecht bekam, war sozusagen schon einen Schritt weiter. Er räumte „eine gewisse Ratlosigkeit“ ein: „Wir können uns juristisch nicht auf die Summenwirkung der verschiedenen Ausbauten berufen. Aber Tatsache ist: Wir haben das Strandbad Burhave weitgehend verloren.“
Bürgermeister Dr. Georg Raffetseder regte an, BremenPorts solle eine Rückstellung vornehmen für die negativen Folgen des Ausbaus. Dazu sagte von Bargen, BremenPorts arbeitet nicht mit eigenem Geld, sondern mit dem der Steuerzahler, „und dabei ist kein einziger Euro übrig.“ Zudem gebe es „keine Anzeichen für eine Schlickbelastung durch das Vorhaben.“
Der Ausschussvorsitzende Herbert Dannemeyer (SPD) regte an, dass – nach dem Beispiel der Insel Minsener Oog, die für den Bau des Ölhafens Wilhelmshaven aufgespült worden war – auch für den bei Ausbauten und Unterhaltung der Außenweser anfallenden Schlick eine weitere Insel im Wattenmeer aufzuspülen. Dann würde er nicht Strände und Priele belasten. Dazu sagte von Bargen, ein bremischer Antragsteller könne im Revier des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer so etwas kaum machen.
„Summenwirkung“
wird vor Gericht
nicht akzeptiert
