SCHLUTTER - „Jetzt gucken die Leute wieder auf den Wald“, sagt Enno Vosteen, „und nicht mehr auf das Schild!“ Das Schild, von dem der Vorsitzende des Ortsvereins Schlutter/Holzkamp/Hoyerswege spricht, ist soeben abgebaut worden. „Sägen weg vom Schlutterwald“, stand in dicken roten Lettern darauf.
Das Schild des Nabu ist jetzt überflüssig, genauso wie ein zweites der Grünen auf der anderen Seite des Kreisels in Schlutter. Die Sägen werden garantiert nicht mehr angesetzt. Das hat der Rat der Gemeinde Ganderkesee in der letzten Sitzung vor der Sommerpause einstimmig beschlossen: Im Bebauungsplan wurde dabei für den Bereich nördlich der Wildeshauser Straße die Nutzung als Wald festgesetzt – allein der vorhandene Gebäudebestand bleibt als Gewerbegebiet erhalten. Der Beschluss sichert den Bestand des ansässigen Betriebes und verhindert die einst beabsichtigte großflächige Ansiedlung von Gewerbe im Schlutterwald.
„Mit so einem positiven Ergebnis hatten wir anfangs nicht gerechnet“, gesteht Enno Vosteen. Denn ebenso einstimmig, wie der Rat jetzt den Wald erhalten hat, wollten die Politiker vor vier Jahren noch den Weg für ein Gewerbegebiet ebnen. Ein Delmenhorster Fuhrunternehmen sollte sich auf dem ehemaligen Militärgelände ansiedeln. Geplant war dort auch eine Bauschutt-Recyclinganlage.
Schnell regte sich Widerstand in der Bevölkerung, der vom Naturschutzbund (Nabu) unterstützt wurde – und auch von den Ganderkeseer Grünen, die als erste Partei erkannten, dass die Idee, zu der auch sie im Gemeindeentwicklungsausschuss zunächst „Ja“ gesagt hatten, nicht die beste zu sein schien.
„Es gab aber aus allen Fraktionen schon früh einzelne Stimmen, die uns ermutigt haben“, betont Enno Vosteen. „Und die Kommunalwahl 2011 war auch ein Glück für uns“, ergänzt vielsagend Dieter Coldewey, der sich neben Beatrix Wieker (Ortsverein) und Hans Fingerhut (Nabu) stark für den Erhalt des Schlutterwaldes eingesetzt hat.
Ortsverein, Nabu, Grüne und zahlreiche Dorfbewohner feierten am Freitagabend das glückliche Ende ihres Kampfes für den Walderhalt mit ein paar kühlen Getränken im Gasthof „Zur Eiche“. Die abgebauten Schilder lagen da längst auf dem Anhänger.
