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Start-Up Auf Bali Hier im Urlaubsparadies arbeitet ein Cloppenburger

Ellen Kranz

Bali/Cloppenburg - Kerobokan im südlichen Teil Balis. Schwüle 30 Grad. Ein kleines Haus mit offen gestaltetem Wohnzimmer. Ein Pool lädt zu einem erfrischenden Bad ein.

An einem Tisch sitzen fünf Freunde und arbeiten. Ihre Kleidung würde auch nach Kreuzkölln oder Friedrichshain passen – Szeneviertel in Berlin. Boho, hip, unaufgeregt ist ihr Style. Erd- und Beerentöne vorherrschend. Der Tisch steht aber nicht in Berlin, sondern auf Bali. Dort wo andere Urlaub machen, haben die Freunde ihr Start-up gegründet – Santi Santi.

Der Name sei von einem Hindu-Mantra abgeleitet, sagt Mitgründer Heiner Böckmann, 24 Jahre. „Das bedeutet Frieden für Körper, Geist und Seele.“ Unter diesem Motto bietet das Label Ketten, Armbänder und Ringe an.

Rückblick: Für ihr Studium „International Business and Management“, das sie an der Hanze University of Applied Sciences in Groningen absolvieren, müssen Böckmann, der ursprünglich aus Garthe (Kreis Cloppenburg) kommt, und sein guter Freund Tobias Viegener im Ausland Praktika und ein Semester absolvieren. Böckmann verbringt sein Praktikum im Marketing eines Hotels in Balikpapan auf dem indonesischen Teil der Insel Borneo. Viegener zieht es für ein Auslandssemester nach Bali, wo er Textilstudentin Sarah Bollien kennenlernt – die dritte Mitgründerin. Und auch Böckmann gefällt die Insel bei einem kurzen Aufenthalt sofort.

„Es war uns allen sehr schnell bewusst, dass wir wieder zurück nach Bali wollen“, sagt Böckmann. Kurz nach ihrem Aufenthalt fliegen zunächst Viegener und Bollien nach Bali zurück. Dort kaufen sie auf verschiedenen Märkten typisch balinesischen Schmuck. Quasten, Perlen und balinesischer Lavastein werde gern verarbeitet. „Wir wollten ausprobieren, wie das in Deutschland ankommt“, sagt Böckmann – und die Stücke kommen gut an.


Über den Onlineshop von Freunden verkaufen die drei ihre ersten Stücke. Eine Internetseite wird gelauncht und dient zur Information für die Kunden.

Boho passt besser zu Bali – Faire Produktion wichtig

Februar 2016: Die drei Freunde haben ihr Studium beendet. „Wir haben unsere Koffer gepackt und sind los nach Bali“, sagt Böckmann. Mutig. Oder gar übermütig? „Wir wollten sowieso zurück nach Indonesien. Warum also nicht etwas probieren, was nicht schon getestet wurde, was Sinn machen würde?“ Mit einem vorher beantragten Business-Visum und vielen bereits entwickelten Strategien hätten sie sich damals auf den Weg gemacht.

„Wir wollten in die Boho-Richtung. Der Schmuck ist von den Hippies inspiriert“, sagt Böckmann. „Den trage ich selbst auch.“ Außerdem passe diese Art von Armbändern und Ketten besser zum Lifestyle von Bali als Edelschmuck.

Und sie brauchten einen Grund, wieder nach Bali zurückzukehren: „Ich habe mich in das Land verliebt“, sagt Böckmann. „Die Menschen sind unglaublich nett und herzlich, das Wetter ist gut und der Hinduismus ist sehr interessant.“

Die Reaktion der Eltern? „Sie haben ziemlich komisch geguckt“, sagt der 24-Jährige. „Meine Eltern unterstützen mich, aber natürlich wollen Eltern auch immer Sicherheit für ihre Kinder.“ Trotzdem: „Direkt nach dem Studium ist das wohl der ,unmutigste‘ Zeitpunkt: Wir haben keinen festen Job und keine Familie“, sagt Böckmann. Und: „Wenn wir es jetzt nicht machen, dann vielleicht nie.“

Bali. Von einem Hotel aus suchen die drei Kollegen eine Bleibe – und gleichzeitig auch eine passende Produktionsstätte. Vieles läuft über zufällig geschlossene Kontakte und fünf Ecken – Netzwerken ist auch gut 15.000 Kilometer von Cloppenburg entfernt wichtig. „Die Leute sind immer freundlich.“ Nur manchmal, wenn es schnell gehen müsse, sei das gewöhnungsbedürftig: „Bis später kann zehn Minuten bedeuten – oder auch der nächste Morgen“, sagt er zur balinesischen Mentalität.

In einem kleinen familiengeführten Unternehmen mit knapp 15 Mitarbeitern finden sie ihre Produktionsstätte. „Es ist transparent und die Arbeitsbedingungen sind sehr familiär und fair – alle sind miteinander befreundet“, sagt Böckmann.

Am 1. Juni 2016 ist es soweit: Die erste Kollektion von Santi Santi mit 30 verschiedenen Stücken erscheint – und gleichzeitig eine neue Webseite mit eigenem Internetshop. „Der fertige Schmuck wird komplett nach Deutschland geschickt, dort gelagert und an die Kunden versendet“, sagt Böckmann.

Auf der Messe „Pop-up-Now“ in Düsseldorf überzeugt die Premieren-Kollektion. Die drei Freunde sind extra nach Deutschland gereist. Erste Einzelhändler – aktuell fünf aus ganz Deutschland – bieten den Schmuck bereits an. Einer davon sogar in Cloppenburg. Viel Marketing wird in dieser Zeit in Angriff genommen.

Im August geht es zurück nach Bali. Anfang Dezember 2016 erscheint die zweite Kollektion. Etwas kleiner, mit elf Stücken. Kleine Änderungen am Material werden vorgenommen. Die Produktpalette erweitert. 15 bis 120 Euro kostet der Schmuck.

„Unsere Hauptpunkte sind Fairness, Qualität – und ein bezahlbarer Preis“, sagt Böckmann. Künftig wollen die drei Gründer auch einen Laden auf Bali eröffnen. Doch das sei aufgrund der Auflagen nicht leicht. „Das Unternehmen ist in Deutschland gemeldet“, sagt er. In Deutschland wollen sie schon bald in jeder größeren Stadt vertreten sein. „Und dann Europa erobern.“

Und wieder Hilfe aus Cloppenburg

Dabei will auch Gilbert Lake helfen: Der 24-Jährige aus Cloppenburg studiert ebenfalls in Groningen, allerdings „International Communication“. „Ich wollte meine Bachelorarbeit nicht für ein Riesenunternehmen schreiben, das die Arbeit gar nicht braucht“, sagt Lake. Böckmann kenne er seit gut zehn Jahren. „So hatte ich die Idee, für Santi Santi zu schreiben.“ Mit seiner Arbeit will er die Kommunikation des Start-ups verbessern. „Aktuell wird viel das Produkt und die Landschaft beworben – vielleicht sind Videos von der Produktion oder die Gründer ja auch interessant?“, fragt er sich. Er wolle herausfinden, was die Zielgruppe – individuelle Frauen zwischen 16 und 35 Jahren – anspreche.

Bali, Palmen und faire Produktion sind da sicher ein guter Start.

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