Sedelsberg - Ein Schwall aus Miauen in unterschiedlichen Tonlagen und Lautstärken schlägt ihr entgegen, als Tierpflegerin Kerstin Lüttmann den Raum betritt. In der Luft liegt der Geruch von Nassfutter und Katzenstreu. 40 neugierige Augen sind nun auf sie gerichtet. Jeden Tag kümmert sich Kerstin Lüttmann liebevoll um die Neulinge in diesem Raum, den sie die „Quarantäne-Station“ nennt. Die Stationsbewohner im Alter von drei Wochen bis drei Monaten sind erst seit Kurzem hier und werden nun von den Tierpflegern aufgepäppelt. Viermal täglich werden die Jungtiere gefüttert, zweimal täglich gekämmt, gewogen und gewaschen. „Diese Pflege ist wichtig, um sie wieder richtig gesund zu pflegen“, weiß Kerstin Lüttmann.
Momentan kommen wöchentlich neue Fundkatzen hinzu. Und auch am Dienstag wurde wieder ein Wurf von vier Katzen abgegeben, nachdem sie in einem Karton ausgesetzt worden waren. Für sie steht nun zu Beginn eine besondere Pflege auf dem Programm. Mit einem Griff in den Käfig umfasst sie eine der vier jungen Katzen und trägt sie zum „Untersuchungstisch“.
Nun durchfährt Kerstin Lüttmann das Fell des Neuzuganges mit einem speziellen Kamm, um es nach Flöhen abzusuchen. Danach wird die Katze gereinigt. „Sie genießen es sehr, wenn man ihnen die Ohren sauber macht. Für viele ist es eine regelrechte Erlösung vom Schmutz“, sagt Kerstin Lüttmann. Hinzu kommt noch eine Wurmkur in den ersten drei Tagen. Erst, wenn die Tiere ganz gesund sind, ist die Quarantäne beendet und die Katzen werden auf eines der Zimmer im Haus verteilt. Im Normalfall dauert das zwei Wochen. Oft käme es aber vor, dass eine Katze besondere Zuwendung benötige, so Kerstin Lüttmann. „Vor allem die ganz Kleinen bekommen häufig Pilzinfektionen, wenn ihr Immunsystem zu schwach ist – die müssen dann länger bleiben“.
Aber auch schwerere Verletzungen seien nicht selten. Erst vor wenigen Wochen sei eine Katze abgegeben worden, deren Auge stark entzündet war. Sie wurde zur Tierärztin Dr. Veronika Tholen in Behandlung gegeben. Ob Dr. Tholen das Auge der Katze noch retten kann, weiß die Tierpflegerin noch nicht. Doch in jedem Fall wird auch sie danach auf der „Quarantäne-Station“ gepflegt.
Dem Neuling, der seit Dienstag im Tierheim ist, scheint es hingegen weitgehend gut zu gehen. Mit der Hand fährt die Tierheim-Mitarbeiterin noch einige Male vom Kopf bis zum Schwanz über den Körper ihres Schützlings. Dann hebt sie ihn mit einer Hand auf Augenhöhe. „Es ist eine anstrengende Arbeit hier im Tierheim. Aber man kann sehen, dass die Tiere dankbar für die Pflege sind – und das entschädigt für alles“, sagt sie zufrieden. Routiniert setzt sie das junge Tier zurück in den Käfig. Und Tag für Tag wiederholt sie die Prozedur mit jeder Katze auf der „Quarantäne-Station“.
Erst als sich Kerstin Lüttmann umdreht und die Station verlässt, werden auch die 20 Katzen im Raum ruhiger. Gestärkt und gesäubert können sich die Kätzchen nun darauf konzentrieren, schnell wieder gesund zu werden.
