Oldenburg - Der Oldenburger Telekommunikationsanbieter EWE Tel treibt den Ausbau schneller Internetverbindungen im Nordwesten weiter voran. Zugleich übte die EWE-Tochter scharfe Kritik an der Deutschen Telekom und forderte eine Abtrennung des Netzbereichs vom restlichen Geschäft des ehemaligen Staatsmonopolisten.
„Wir lassen beim Breitbandausbau nicht nach“, sagte EWE-Tel-Geschäftsführer Norbert Westfal am Freitag im Gespräch mit dieser Zeitung. Nach seinen Angaben sollen bis Jahresende durch die Erschließung von 1500 Schaltschränken, sogenannten Kabelverzweigern, 39 Städte und Gemeinden im EWE-Tel-Gebiet schnelle Internetverbindungen erhalten. Potenziell könnten so mehr als 215 000 Haushalte Bandbreiten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde (MBit/s) nutzen. Dazu kämen noch einmal rund neue 5000 Glasfaserhausanschlüsse.
Von Jahresbeginn bis Ostern habe EWE Tel bereits 229 Kabelverzweiger ans Breitbandnetz angeschlossen, wovon fast 31 000 Haushalte u.a. in Delmenhorst, Bad Zwischenahn, Leer und Westoverledingen, profitiert hätten.
Insgesamt seien bis heute mehr als 4300 Kabelverzweiger angebunden, so Westfal. Potenziell könnten so bisher rund eine Million Haushalte im EWE-Einzugsgebiet schnelles Internet erhalten.
„Wir sind optimistisch und halten es auch für realistisch hier in der Region die Zielvorgaben der Bundesregierung umzusetzen“, sagte Westfal. Der Bund hatte das Ziel ausgegeben, dass bis 2018 allen Haushalten in Deutschland Breitband-Internet mit mindestens 50 MBit/s zur Verfügung gestellt werden müsse.
Den Ausbau der Kabelverzweiger, in denen die einzelnen Kupfer-Hausanschlüsse gebündelt sind, sieht Westfal dabei aber nur als Zwischenschritt zum flächendeckenden – und bisher noch deutlich teureren – Ausbau der Glasfaserhausanschlüsse. „Die Zukunft liegt in der Glasfaser“, ist er überzeugt. Für potenziell 74 000 Haushalte habe EWE Tel bereits den Ausbau für Glasfaserhausanschlüsse, der Kunden eine Bandbreite bis zu 100 MBit/s ermöglicht, vorangetrieben.
Immer wieder gebremst sieht sich EWE Tel bei seinen Ausbauplänen aber von der Telekom. Vor allem ein kürzlich eingereichter Antrag des Konzerns bei der Bundesnetzagentur zum sogenannten „Vectoring“-Ausbau stößt den Oldenburgern sauer auf.
Im Februar hatte die Telekom den Antrag gestellt, ihre Wettbewerber im Nahbereich um die Netz-Hauptverteiler vom Netzzugang ausschließen zu dürfen. Damit sollen Übertragungsprobleme bei der „Vectoring“-Technik, die auch im Kupfernetz Datenübertragungen von bis zu 100 MBit/s ermöglichen soll, verhindert werden. Die Bonner locken die Aufsichtsbehörde dabei mit der Zusage, so knapp sechs Millionen weitere Haushalte mit Breitbandinternet zu versorgen.
EWE Tel hält nichts von den Plänen. „Die Telekom versucht den Wettbewerb gerade im lukrativsten Bereich, den Ballungszentren, auszuhebeln“, kritisiert Westfal und warnte vor einer „Re-Monopolisierung“. Im Gebiet von EWE Tel wären allein 657 Hauptverteiler, über die potenziell eine sechsstellige Zahl von Kunden erreicht werden könnten, betroffen.
„Für eine möglichst flächendeckende Versorgung mit schnellen Internetzugängen braucht Deutschland einen fairen Infrastrukturwettbewerb“, sagte Westfal. Als Antwort auf den Telekom-Antrag bei der Netzagentur habe EWE Tel daher nun gefordert, den Großhandelsbereich vom restlichen Geschäft des Bonner Konzerns zu trennen. Weder die Behörde noch die Telekom wollten sich zu der Forderung äußern.
