Berlin/Oldenburg - Deutschlands Stromkunden drohen wegen der massiven Ausbaupläne für die Elektromobilität neue Kosten. Um die Ladesäulen für Elek­troautos mit Strom zu versorgen, müsse das Stromnetz spürbar ausgebaut werden, erklärte ein Sprecher der Bundesnetzagentur. Das gelte für Verteilnetze und die großen Stromautobahnen. Bezahlt werden Netzausbauten von den Stromkunden über Aufschläge auf den Strompreis.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD, Sande) sprach von einer „Geisterdebatte“ rund um zusätzliche Kosten für die Verbraucher.

Nach Schätzung der Nationalen Plattform Elektromobilität sind allein für die geplanten eine Million E-Autos bis 2020 rund 70 000 Ladepunkte und gut 7100 Schnellladesäulen erforderlich. Bisher gibt es laut Branchenverband BDEW gerade einmal ein Zehntel davon. Im Nordwesten möchte die EWE die Zahl ihrer Stromtankstellen erneut verdoppeln und Ende dieses Jahres über rund 240 Ladesäulen verfügen.

Schon jetzt machen die Netzentgelte rund ein Viertel des Strompreises für Haushaltskunden aus. Gleichzeitig wollen die deutschen Autobauer ihr Angebot an Elektroautos massiv ausbauen.

Wie viel der Anschluss der Säulen kosten werde, lässt sich laut BDEW noch nicht genau beziffern. Die bisher veranschlagten Kosten für den Netzausbau in den kommenden Jahren ohne Ladesäulen betragen bereits mehr als 30 Milliarden Euro.


Minister Lies betonte, dass nicht jeder Ladepunkt mit einer Leistungsfähigkeit von 350 Kilowatt angebunden werden müsse. „Es stehen ja nicht 24 Stunden lang ununterbrochen Fahrzeuge an einer Ladesäule.“ Ähnlich sieht es EWE-Marktvorstand Michael Heidkamp. Lies und Heidkamp sprechen sich für Batteriespeicher aus, die mit geringerer Anschlussleistung geladen werden und zum Ladezeitpunkt die Elektroautos mit hoher Leistung aufladen könnten. Außerdem dienten Elektroautos auch als Stromspeicher – und damit zur Netzstabilisierung.

Das Ziel von einer Million Elektroautos ist nur ein Zwischenschritt. Bis zum Jahr 2030 plant die Bundesregierung sechs Millionen Elektroautos. In Deutschland fahren laut Kraftfahrtbundesamt rund 45 Millionen Personenwagen, davon aber erst 34 000 reine Elektroautos.

Auch die Autobauer sind gefordert: Mittelfristig soll der Vertrag für ein Gemeinschaftsunternehmen von BMW, Daimler, Volkswagen und Ford für den gemeinsamen Bau von Schnellladestationen unterschriftsreif sein, sagte ein VW-Sprecher. Doch Schnellladestationen mit hoher Leistung von bis zu 350 Kilowatt stellen Anforderungen an das Stromnetz. Dafür seien vielfach Netzverstärkungen nötig, sagte ein Sprecher des Energiekonzerns Eon. Das sei zwar technisch kein Problem, koste aber Geld.

Verbraucherschützer fordern mehr Gerechtigkeit bei der Finanzierung des Netzausbaus. „Der Staat, die Konzerne und die Autofahrer müssen zahlen, aber doch nicht – wie bisher – der Endverbraucher über die Stromrechnung“, sagte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW.

Sabrina Wendt
Sabrina Wendt Thementeam Wirtschaft