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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Fahrzeugbau: Schnitzen am Auto der Zukunft

11.05.2013

Hannover Als Gottlieb Daimler 1885 an seinem „Reitwagen“ werkelte und die Ära des Automobils begann, war Holz für den Bau des Vehikels das Material der Wahl. Heute dominiert der Stahl. Doch die hölzernen Motorkutschen könnten eine Renaissance erleben – zumindest was ihren Werkstoff anbelangt. Die Branche tüftelt ernsthaft daran, den Stahl um Holz zu ergänzen. Die am Freitag in Hannover beendete Ligna, die Weltleitmesse der Holzindustrie, lieferte erste Einblicke.

„Wir demonstrieren zurzeit, was man machen könnte“, berichtet Volker Thole, Fachbereichsleiter am WKI, ein auf Holzforschung spezialisiertes Fraunhofer-Institut (WKI) in Braunschweig. Für Holz im Autobau sieht der Experte sogar Chancen im tragenden Bereich, dort also, wo der Konkurrent meist Stahl ist. Der Trumpf des Werkstoffes sei seine Nachhaltigkeit, aber auch das Know-How der Holzindustrie.

Das Thema künftige Werkstoffe ist aktueller denn je. Deutschlands meistverkauftes Auto, der VW Golf, wog in seiner ersten Version etwa 800 Kilogramm. Der heutige Golf VII ist 50 Prozent schwerer. Technik, Sicherheit, Luxus und nicht zuletzt mehr Platz fordern Tribut – und das in Zeiten, wo die Abgaswerte der Flotten gesetzlichem Spardruck unterliegen. Die Zauberformel daher: Weniger Gewicht spart Sprit.

Eine der jüngsten Neuerungen für dieses Ziel steht bei VW im Werk Wolfsburg, ist groß wie ein Häuschen und presst Stahl für den neuen Golf. Die „Warmumformung“ macht Karosserieteile leichter, lässt sie aber crashsicher. Den Rohstoff dazu bieten etwa Arcelor-Mittal oder Thyssen-Krupp. Ausgerechnet Buchenholz könnte die Lieferungen der Stahlriesen schon bald ergänzen. Ein vom Bundesforschungsministerium bis 2015 gefördertes Projekt lotet derzeit die Chancen dafür aus.

Mehrere Firmen, darunter VW, das WKI und die Uni Kassel arbeiten an dem Projekt. Zunächst sollen Autoteile ausgemacht werden, für die Holz infrage kommt – und dann auch gebaut werden. Neben bestehenden Einsatzchancen etwa bei der Verkleidung im Fahrzeuginneren nennt Thole die Schweller oder den Seitenaufprallschutz der Türen als denkbare neue Anwendungsfelder. Die Herausforderung sei es, mit Holzstückchen und Kleber eine Faserstruktur zu schaffen, die den gewohnten steifen Schutz bietet und viel Aufprallenergie schluckt.

Wer die Angst der Autobauer vor Rost kennt, kann sich die Gefahr beim Holz ausmalen: Verrottung. Hochwirksame Imprägnierverfahren gebe es zwar, sagt Thole. Doch die hätten ihre Kosten und das Holz müsse am Ende ja seine Wirtschaftlichkeit beweisen. Fern vom Risiko der Feuchtigkeit könne Holz aber seinen Trumpf Nachhaltigkeit ausspielen. „Es ist schließlich ein nachwachsender Rohstoff“, betont Thole.

Die Stahlkonzerne müssten nun aber keine Konkurrenz aus Buchenwäldern fürchten. „Womöglich kommen wir in dem Projekt auch zu dem Schluss, dass mit Holz vieles nicht geht“, meint Thole. Auch der Projektpartner VW warnt vor zu viel Euphorie. Wegen der hohen Anforderungen etwa bei Steifigkeit erscheine ein umfangreicher Holzeinsatz derzeit noch unrealistisch, heißt es bei VW.

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