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Patrick Tessmann Neuer OLB-Chef hat sich gut eingelebt

Jörg Schürmeyer

Oldenburg - Direkt im Blickfeld der Alte Stadthafen mit den Sportbooten, links das neue Wohnquartier am Stau, davor das geschäftige Treiben auf der Hafenpromenade, im Hintergrund die Kräne, die davon zeugen, wie sehr sich das ganze Viertel wandelt: Wenn die schönste Büroaussicht in Oldenburg gekürt werden würde, hätte Patrick Tessmann sicherlich gute Chancen, weit vorne zu landen. „Wenn ich morgens reinkomme, gehe ich erst einmal zum Fenster und genieße für einen kurzen Moment die schöne Aussicht“, sagt der 55-Jährige über den Ausblick aus seinem Büro im fünften Stock der Zentrale der Oldenburgischen Landesbank AG (OLB).

Zuvor in Berlin

Doch Tessmann erfreut sich nicht nur an der schönen Aussicht, auch an seiner Aufgabe hat er schnell Gefallen gefunden. Seit einem halben Jahr ist der gebürtige Hamburger nun im Vorstand der OLB. Seit etwas mehr als 100 Tagen steht er als Nachfolger von Dr. Achim Kassow an der Vorstandsspitze. Zuvor war er nach einer rund 30-jährigen Bankkarriere bei Commerzbank, Dresdner Bank und dem Privatbankhaus Reuschel als Vorstandsmitglied der Landesbank Berlin/Berliner Sparkasse für den Bereich Privatkunden verantwortlich.

Von der pulsierenden Hauptstadt ins eher ländliche Weser-Ems-Gebiet – für Tessmann ein spannender Wechsel: „Von außen wird häufig gar nicht wahrgenommen, wie prosperierend die Region hier ist.“

Der 55-Jährige ist in den vergangenen Wochen viel unterwegs gewesen. „Das Wichtigste ist es, ins Gespräch zu kommen und die Menschen kennenzulernen, die Kunden, die Mitarbeiter, die Geschichte der OLB“, betont Tessmann, der ursprünglich Psychologie studiert hat.

Dazu gehört für ihn auch, selbst vier bis fünf Kundentermine in der Woche wahrzunehmen oder sich in der Kantine mit den Mitarbeitern zusammenzusetzen und sich auszutauschen, sie „mitzunehmen“, wie er sagt. „Ich habe so etwas wie ein Lebensmotto“, erklärt der Banker und Diplom-Psychologe. „Was man mir nicht sagt, kann ich nicht verändern.“


Bei den Mitarbeitern scheint der neue Vorstandschef anzukommen. Er sei sympathisch und offen, ist im Hause zu hören. Zugleich schwingt immer wieder die Hoffnung mit, dass er lange bleibt. Ein nachvollziehbarer Wunsch: Schließlich ist Tessmann bereits der fünfte Vorstandsvorsitzende bei der OLB in den vergangenen sieben Jahren.

Zumindest in seinem Büro setzt Tessmann schon einmal auf Kontinuität. Einrichtung und Bilder an der Wand hat er fast komplett von seinem Vorgänger übernommen, das Bücherregal steht noch weitgehen leer. „Ich finde, es gibt in den ersten Monaten wichtigere Dinge, als das Büro komplett umzugestalten“, sagt er.

Einige Dinge geben dem lichtdurchfluteten Büro dann aber doch eine persönliche Note. Das Tee-Stövchen auf dem Schreibtisch („Den Tag beginne ich immer auch mit Tee“), ein paar Familienfotos neben dem Computermonitor und zwei per 3-D-Drucker nachgebildete Figuren seiner beiden 13 und 14 Jahre alten Söhne Maurice und Dominique. „Die haben mir meine Kinder zum Geburtstag geschenkt“, sagt Tessmann.

Die Kinder, Ehefrau und Hund sollen im Spätsommer, pünktlich zum Schuljahresbeginn, ebenfalls in den Nordwesten ziehen. In Wildeshausen hat die Familie ein Grundstück gekauft, das neue Haus wird gerade gebaut. „Wir haben die Immobilie nach der Schule ausgesucht“, sagt Tessmann, der zurzeit noch in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Oldenburg lebt. Gemeinsam habe man sich intensiv vor Ort umgesehen und dann eine Entscheidung getroffen.

Doch nicht nur Familie Tessmann verändert sich räumlich. Die OLB, aber auch die Bankenlandschaft als Ganzes befinden sich im Wandel. „Niedrigzinsen, Digitalisierung, Regulatorik – in diesem Dreieck bewegen wir uns zurzeit“, sagt der Vorstandschef und zeichnet mit den Fingern ein imaginäres Dreieck in die Luft. „Durch die nun schon lange andauernde Niedrigzinsphase brechen Geschäftsfelder weg“, sagt Tessmann. Hierauf müsse die Bank Antworten finden und die Kunden auch überzeugen, „ein anderes Risikobewusstsein zu entwickeln“.

Thema Digitalisierung

Als Chance und Herausforderung zugleich wertet Tessmann auch die Digitalisierung. „Das Kundenverhalten hat sich total gewandelt“, sagt er. Immer mehr Kunden würden ihre Bankgeschäfte online erledigen, gleichzeitig sei die Nachfrage nach persönlicher Beratung gerade bei komplexen Themen weiter hoch. Die OLB wolle das Onlineangebot weiter ausweiten, es ermöglichen, noch mehr Bankgeschäfte digital zu erledigen. „Auch Videoberatung ist ein Thema bei uns“, sagt er.

Gleichzeitig wolle sich die OLB aber auch nicht aus der Fläche zurückziehen, betont der 55-Jährige. Was aber nicht heiße, dass nicht auch weiter einzelne Standorte zu SB-Filialen umgewandelt werden würden. Tessmann sieht die OLB auch künftig als Regionalbank, als „Bank, die hier zu Hause ist“, wie er es nennt.

Dazu gehören für ihn auch Traditionen, wie das Spargelessen nach der Hauptversammlung am 13. Mai. Für Tessmann nicht nur das erste Aktionärstreffen bei der OLB sondern auch die erste Hauptversammlung überhaupt in vorderster Reihe. „Ich bin positiv aufgeregt“, sagt er.

Mit der Entwicklung der OLB in den vergangenen Monaten ist er zufrieden. „Wir hatten einen guten Start ins Jahr“, sagt der Vorstandschef über das erste Quartal. Nach einigen eher schwierigen Jahren also wieder die Chance auf schöne Aussichten für die OLB – nicht nur aus Tessmanns Büro im fünften Stock.

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