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Fischkutter „destiny“ Im Braker Hafen Scholle gut, alles gut?

Marco Seng

Brake/Oldenburg - Regen zieht auf, als der Fischkutter „Destiny“ im Braker Hafen anlegt. Kapitän Timo Hullmann und seine Besatzung machen das Schiff behende an der Kaimauer fest. Ein Lastwagen aus den Niederlanden soll den Fang abholen. Fischerhemd, Ölzeug, verstärkte Gummistiefel – fast vier Wochen lang haben die vier Männer ihre Schleppnetze über den Meeresgrund in der rauen Nordsee gezogen. Dreimal haben sie einen Fang in niederländischen Häfen angelandet, jetzt kehrt die „Destiny“ für ein paar Tage in den Heimathafen zurück.

Im Bauch des 28 Meter langen Kutters ist es bitterkalt. Null Grad. Weiße Plastikbehälter stapeln sich. Unter der Eisdecke lagern Kaisergranat, Knurrhahn, Steinbutt, Seezunge, Kabeljau – und vor allem Scholle. Rund 1,6 Tonnen der Plattfische sind den Männern nordwestlich von Helgoland in die Netze gegangen. „Wenig“, meint Timo Hullmann. Schlechtes Wetter, Windstärke sieben bis acht. 15 Tonnen, also etwa 75 000 Schollen passen ins Schiff. Der 33-jährige Fischwirt zuckt die Schultern. „Dafür sind andere Wochen wieder gut.“

Schlechtes Wetter

Bestimmt, denn die Hullmanns aus Brake sind vor allem Schollenfischer. Und von den beliebten Speisefischen gibt es in der Nordsee derzeit so viele wie noch nie seit Beginn der wissenschaftlichen Aufzeichnungen im Jahr 1957. War der Bestand 2002 noch eingebrochen, ging die Kurve danach steil bergauf. Nach jüngsten Schätzungen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) liegt der Bestand in diesem Jahr bei rund 670 000 Tonnen. Für 2015 werden mehr als 700 000 Tonnen erwartet. „Wenn das so weitergeht, können wir auf den Schollen nach Helgoland laufen, ohne nass zu werden“, scherzt Dieter Hullmann (57), Vater von Timo. Ein Kapitän wie aus dem Bilderbuch: kräftig, bärtig, geradeheraus, seit 42 Jahren Fischer. Um die Bestände müsse man sich keine Sorgen machen. Von wegen Überfischung der Meere.

Doch woran liegt es tatsächlich, dass die Schollen – die bei einigen Naturschutzverbänden auf der roten Liste standen, als gefährdet galten – sich so stark vermehren. Karoline Schacht vom World Wide Fund For Nature (WWF) führt das auf die EU-Regulierung der Fangmengen zurück. „Das vorsichtige Management hatte durchschlagenden Erfolg“, meint sie. Auch der Sauerstoffbestand des Meeres und laue Winter haben nach Einschätzung der Wissenschaft zur Entwicklung beigetragen.

Scholle gut, alles gut? Ganz im Gegenteil. Die Preise für die Plattfische gehen bei den europäischen Auktionen in den Keller. Claus Ubl vom Deutschen Fischerei-Verband weist darauf hin, dass es heute schon ein Überangebot auf dem Markt gibt. Dann findet sich selbst für 80 Cent pro Kilo kein Käufer mehr und es heißt: ab ins Fischmehl. Vor zwei Jahren lag der Preis noch bei etwa 1,50 Euro. Der Verband hofft, dass die Nachfrage bei den Verbrauchern anzieht.


Ein anderes Ärgernis für die Schollenfischer hat große dunkle Augen, schwimmt hervorragend und ist mit einem guten Appetit auf Fisch gesegnet. 9343 Seehunde sind bei den Zählflügen im niedersächsischen Nationalpark Wattenmeer 2014 registriert worden, 1261 Tiere mehr als im Vorjahr. Was Naturschützer freut, sehen die Kutterfischer skeptisch. Schließlich verputzt so ein Seehund pro Tag etwa fünf Kilo Fisch. Die Tiere sorgten dafür, dass Seezungen und Schollen im Wattenmeer nur noch selten vorkämen, kritisiert Dirk Sander, Präsident des Landesfischereiverbandes Weser-Ems.

Für die sechs Schollen-Kutter der Fischereigenossenschaft Elsfleth, deren Geschäftsführer Dieter Hullmann ist, bedeutet das Wege von bis zu 80 Seemeilen zu den Fanggründen auf Weißer Bank oder Doggerbank. Dieter Hullmann nimmt kein Blatt vor den Mund: „Wir brauchen dringend eine Seuche, damit die Seehunde wieder verschwinden.“

Die Schollenfischer haben wenig Verständnis für die Kritik an ihren Fangmethoden. Greenpeace empfiehlt die Nordseescholle generell nicht, weil die Fischer mit ihren Netzen den Meeresboden zerstörten. Blödsinn, meinen die Hullmanns. Der Meeresboden sei wie ein Acker, der bewirtschaftet werden müsse, sagt Timo Hullmann. „Wo keine Fischerei stattfindet, gibt es auch keine Fische mehr, sondern nur noch Seesterne.“ Quasi Unkraut.

Verärgert über Brüssel

Vater Dieter ärgert sich über die EU. „In Brüssel wird viel Mist verhandelt“, schimpft er. Etwa, dass der Beifang, der heute zurück ins Meer geworfen wird, ab 2016 angelandet werden muss. Zu kleine Schollen (unter 27 Zentimetern) kämen dann ins Fischmehl und würden trotzdem der Quote angerechnet.

Der Lastwagen ist inzwischen da und die Schollen werden umgeladen. Die Hullmanns sind gespannt, was der Fang auf der Auktion in Lauwersoog einbringt.

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