Edewecht-Jeddeloh I - Jungen wollen gerne Astronaut, Fußballer oder Kfz-Mechaniker werden, Mädchen gerne Schauspielerin oder Tierärztin – so die immer noch gängigen Klischees zu den Berufswünschen von Kindern. Maren Kahle-Frerichs hatte schon früh andere Pläne. „Eigentlich wollte ich schon von Kindesbeinen an Zimmerin werden“, sagt die Edewechterin rückblickend.

Dass dies für eine Frau kein ganz häufiger Berufswunsch ist, bekam sie immer wieder zu hören. „Haben Sie sich das auch gut überlegt?“, fragte sie etwa der Berufsberater bei der Arbeitsagentur, als sie sich nach einer Tischlerlehre erkundigte. Hatte sie offenbar. Heute führt die 37-Jährige die Geschäfte des Bau- und Holzbauunternehmens Kahle KG in Edewecht-Jeddeloh I.

Schon früh kam Maren Kahle-Frerichs mit Zimmer-, Tischler- und Maurerarbeiten in Berührung. Ihr Vater, Gerold Kahle, hatte 1972 das Bauunternehmen in Jeddeloh I gegründet. „Das hat schon geprägt“, sagt die 37-Jährige.

Obwohl sie von niemandem gedrängt wurde, wie Kahle-Frerichs betont, schlug sie die gleiche Richtung wie ihr Vater ein. Nach der Tischlerlehre bei Wilhelm Wiechmann in Ofen und einer abgebrochenen Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau („Das war mir zu langweilig und theoretisch“), ging sie auf die Fachoberschule und studierte anschließend an der Fachhochschule Nienburg Bauingenieurwesen.

Mit dem Diplom in der Tasche schrieb sie sich 2001 an der FH Wilhelmshaven noch für einen Aufbaustudiengang Wirtschaftsingenieurwesen ein, den sie aber nicht mehr beendete, da sie immer stärker im heimischen Bauunternehmen engagiert war. 2003 übernahm die Diplom-Bauingenieurin – zunächst noch zusammen mit ihrem Vater – die Geschäftsführung. Heute steht ihr Vater der 37-Jährigen noch als Prokurist und Berater zur Seite, aus dem Alltagsgeschäft hat er sich aber weitgehend zurückgezogen.


Während in dem mittelständischen handwerklichen Betrieb mit seinen 15 Mitarbeitern der Wechsel an der Spitze reibungslos vonstatten ging, mussten sich einige Geschäftspartner erst einmal umstellen. Gerne erzählt Kahle-Frerichs die Anekdote über ein Telefonat, dass sie mit einem externen Verkäufer führte. „Ich möchte gerne den Chef sprechen“, sagte dieser bestimmt, als er eine Frauenstimme am anderen Ende der Leitung vernahm. „Ja, ich bin der Chef“, entgegnete die Geschäftsführerin trocken.

Fälle wie dieser seien aber die Ausnahme. Zwar würden auch heute nur „eine Handvoll“ Bauunternehmen im Nordwesten von Frauen geführt. „Das wird aber mittlerweile selbstverständlich hingenommen“, sagt sie.

Im Umgang mit den Mitarbeitern ist ihr der regelmäßige Austausch wichtig. Täglich fährt sie Baustellen ab, auf denen das Unternehmen tätig ist. „Ich lege Wert auf Miteinander“, sagt sie. Es sei nicht zielführend, die Mitarbeiter von oben herab zu behandeln.

Auch außerhalb der Arbeit sind ihr der Austausch mit anderen und das Miteinander wichtig. Im Arbeitskreis junger Bauunternehmer des Baugewerbeverbands Niedersachsen (BVN) ist sie Vorstandsmitglied. Beim Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) engagiert sie sich in der Vereinigung junger Bauunternehmer, und ist ferner Mitglied im Gesprächskreis Bauunternehmerinnen. „Das ehrenamtliche Engagement haben mir schon meine Eltern vorgelebt“, sagt sie. Zudem helfe es, „über den Tellerrand hinauszuschauen“.

Trotz des beruflichen Engagements sei es wichtig, sich auch Freiräume für das Privatleben zu schaffen. „Das fängt schon bei den gemeinsamen Mahlzeiten mit meinem Mann an, das ist mir wichtig“, sagt sie. Dass ihr Mann, selbst Bauingenieur mit eigener Firma, sein Büro direkt am Betriebsgelände habe, erleichtere dies natürlich.

Auch für Hobbys müsse Zeit bleiben, meint die sportbegeisterte 37-Jährige. „Man muss sich Termine setzen, dann klappt das auch“, sagt sie. Gerne unternimmt sie Nordic-Walking-Touren und geht auf die Jagd. Zudem ist sie regelmäßiger Gast bei den Heimspielen der Handballfrauen des VfL Oldenburg und besitzt eine Dauerkarte für die Fußballer des Hamburger SV. Anders als bei ihrer beruflicher Tätigkeit hatte sich das in Kindertagen nicht abgezeichnet. In früheren Jahren unterstützte Kahle-Frerichs nämlich noch Werder Bremen.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft