SCHORTENS - Wie wird sich die Wohnbevölkerung in Schortens in den nächsten 15 Jahren entwickeln? Wieviel Wohn- und Gewerbeflächen werden benötigt und wo könnten diese entstehen? Einige Fragen, die der Flächennutzungplan, kurz F-Plan, beantworten soll.
Vier Jahre lang haben die Schortenser Ratsvertreter den neuen F-Plan entwickelt, der stadtplanerische Grundlage für die nächsten 15 bis 20 Jahre sein soll, haben sich gestritten, vertragen, Kompromisse erarbeitet. Nur mit Mühe und Not passierte der Plan jetzt den Rat. Der Plan sieht u.a. zu den vorhandenen 23 Hektar Bauland weitere 40 Hektar potenzielles Bauland vor.
Kulturhistorisch zu wertvoll
Der F-Plan drohte auf der Zielgeraden an der K-Frage zu scheitern: Was soll mit der Klosterpark-Sportplatzfläche geschehen, falls der Heidmühler FC eines Tages die Sporttaschen packt und auf die Anlage nach Schoost umzieht, die noch mit Millionenaufwand für den Sportbetrieb hergerichtet werden müsste?
Für die SPD ist klar: „Eine Wohnbebauung wäre ein massiver ökologischer Eingriff und eine Gefahr für das Klosterpark-Ensemble“, so Anne Bödecker. Das Argument der Mehrheitsgruppe von CDU, FDP, UWG und FdU, ein Umzug des HFC wäre ohne Verkaufserlös der alten Sportplatzflächen nicht zu finanzieren, will die SPD nicht gelten lassen: „Die Klosterpark-Fläche ist ein kulturhistorisch viel zu wertvoller Bereich. Den können wir nicht opfern.“
Den Tränen nahe hatte Bödecker, die jahrelang am neuen F-Plan mitgearbeitet hatte, in der Abstimmung die Reißleine gezogen: Überraschend versagte die SPD dem selbst ausgearbeiteten Plan die Zustimmung. Ein Kuriosum.
Auch die CDU verstand die Welt nicht mehr: „Ohne die Möglichkeit eines Verkaufserlöses entfällt die Bezuschussung für eine HFC-Anlage in Schoost“, erwiderte Mehrheitsgruppensprecher Ralf Thiesing dem plötzlichen Sinneswandel der SPD. Die Stadt habe da finanziell überhaupt nichts zuzusetzen. Zudem sei die Wohnbebauung lediglich eine Option.
Kritik am F-Plan kam auch von den Grünen, von der Linken und BfB. Als „realitätsfremden Größenwahn“ bezeichnete Janto Just die Berechnungsgrundlagen des Planungsbüros, das einen Bevölkerungszuwachs in Schortens von gut vier Prozent bis 2025 zugrunde legte. Die ausgewiesenen Wohnbauflächen seien überdimensioniert. „So produzieren wir Leerstand und Preisverfall, Kinder werden die Häuser ihrer Eltern nicht los“, mahnte Just.
Böser Vorwurf der Kungelei
In eine ähnliche Kerbe schlugen auch Mike Schauderna (Linke) und Utta Schüder von den Grünen. Nicht nur, dass entschieden zu viel Bauland ausgewiesen worden sei; selbst Trinkwassereinzugsgebiete, Lärmschutzzonen, Moorböden und Brutgebiete sollen nun als Wohnbauflächen geeignet sein, kritisierte Schüder. Mehr noch: Sie warf der Mehrheitsgruppe vor, sich dem Druck von Planern, Grundstückseignern und Investoren zu beugen.
Ein Vorwurf, den Bürgermeister Gerhard Böhling und die Mehrheitsgruppe empört zurückwiesen. Dass Baugebiete durch Druck etwa von Banken oder Bauunternehmen ausgewiesen werden oder wurden, sei eine haltlose Unterstellung.
