SCHORTENS - „Wir sind doch keine Pferdestadt wie Vechta. Warum also sollen wir in unser Logo unbedingt ein Pferd einbauen?“ Mehrfach platzten dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Axel Homfeldt und CDU-Sprecher Ralf Thiesing die Krägen, als Janto Just in der Ratssitzung am Mittwochabend zum wiederholten Mal das neue (pferdelose) Stadtlogo verbal in die Tonne trat und überhaupt alles einen „großen Käse“ fand, was das Logo und der Slogan ausdrücken sollen und zu welchen Analysen und Schlussfolgerungen das von Homfeldts Firma Compono erarbeitete PR- und Marketingkonzept kommt.
Haarbüschel in der Suppe
Auch der SPD und der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) reichte es irgendwann: „Du bist nicht der einzige, der das Ohr am Bürger hat, Janto“, schimpften Manfred Buß und Thomas Labeschautzki (SPD) sowie Doris Wolken (UWG).
Ob es um das Stadtlogo, den Werbeauftritt öffentlicher Einrichtungen oder den schließlich mit großer Mehrheit als Satzung beschlossenen Bebauungsplan für die Oldenburger Straße ging: Just fand überall gleich ein ganzes Haarbüschel in der Suppe und trug abermals die in den Fachausschüssen hinlänglich diskutierten Einwände und Bedenken vor.
Am heftigsten stritten Just und Homfeldt, die mittlerweile wieder beim „Sie“ angelangt sind, um das Stadtlogo und Schortens künftiges werbliches Erscheinungsbild.
Irgendwer brachte vor wenigen Wochen mit Blick auf den vom Wilhelmshavener Grafik-Designer Holger Mühlbauer kreierten Logo-Entwurf die Assoziation mit einer stilisierten Weltkugel ins Spiel. Tatsächlich soll das abgerundete Quadrat, das aus zwölf Feldern besteht, nicht mehr und nicht weniger als die zwölf Schortenser Stadtteile symbolisieren, die zusammen ein Ganzes ergeben.
Doch die („Welt-)kugel“ war da schon längst ins Rollen gekommen. Das Sinnbild griff Just immer wieder auf, sprach von „Weltfremdheit“ und „Abgehobenheit“. Weder abstrakt noch konkret könnten die Bürger mit diesem Logo etwas anfangen, so Justs Rundumschlag, der sich auf Bürgergespräche, Leserbriefe und Umfragen zum Thema berief. „Mit dieser Weltkugel können wir uns nur lächerlich machen“.
„Thema nicht verstanden“
Die Mehrheitsgruppe von CDU, FDP, UWG und FdU sowie die SPD sieht das anders. Das „große Thema“, zu dem es Just immer wieder aufbausche, sei die Diskussion um ein Stadtlogo bei den Bürgern nie gewesen. Bei den Infoabenden, zu dem BfB eingeladen hatte, haben sich nur eine handvoll Bürger eingefunden, bei der Ratssitzung gab es dazu keinerlei Bürger-Kritik.
Thiesing hielt Just vor, das Thema überhaupt nicht verstanden zu haben. Es gehe nicht darum das Stadtwappen abzuschaffen. Mit dem Logo, das allein für werbliche Zwecke verwendet werden soll und keinen Bezug zu Geschichte oder Gegenwart der Stadt herstellt, bekomme Schortens lediglich ein Markenzeichen mit großem Wiedererkennungswert hinzu.
Kritik an dem Stadtlogo übten auch die Grünen und Linken: „Dass davon die Zukunft der Stadt abhängen soll, scheint mir doch etwas sehr hochtrabend“, meint Utta Schüder (Grüne). Mike Schauderna (Linke) hält die Logo-Entwürfe und das Marketingkonzept für hinausgeworfenes Geld: „Dafür hätten wir besser Kinder und Familien unterstützen können.“
Was erneut Thiesing auf die Palme brachte: „Wir geben soviel Geld für Kinder und Familien aus wie kaum eine andere Stadt in der Region.“
Nach mehr als drei Stunden war alles entschieden und beschlossen. Schließlich gibts ja auch noch Fußball...
