SCHREIERSORT - Skeptisch und besorgt über die Lage auf dem Milchmarkt zeigten sich am Dienstag Landwirte vom Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) im Gespräch mit Vertretern der SPD. Auf Einladung von Eilert Kleyhauer (Schreiersort) informierten sich die Bundestagsabgeordnete Karin Evers-Meyer und der Landtagsabgeordnete Olaf Lies über die Sorgen und Nöte der Landwirte.
Ich mache monatlich 8000 bis 10 000 Euro Verlust durch den jetzt bei rund 20 Cent pro Liter liegenden Milchpreis. Da muss ich bald zur Bank gehen, um ein Liquiditätsdarlehen zu bekommen, betont Henning Haschenburger (Augustengroden). So wie ihm gehe es den meisten Landwirten. Auch ein Wechsel von einer Molkerei zu einer anderen würde sich nicht auszahlen, weil die Differenz bei der Auszahlung der Milchpreise zwischen einem und zwei Cent liege.
Alle waren sich einig, dass es eine Überproduktion von Milch gebe, die gestoppt werden müsse. Hier sei die Politik gefordert.
Folkert Frittje (Wesermarsch) vom Milchboard forderte eine Mengensteuerung für Deutschland und Europa. Er schätze, dass an die 90 Prozent der Landwirte dem zustimmen würden. Seiner Einschätzung nach sind vor allem Betriebe gefährdet, die in den vergangenen Jahren investiert haben. Betroffen davon seien besonders junge Landwirte.
Erst ab 35 Cent werde kostenneutral gearbeitet, waren sich Wilhelm Eden (Zetelermarsch) und Frittje einig. Und erst ab 35 Cent aufwärts werde Geld verdient.
Karin Evers-Meyer hob die Bedeutung der Milchwirtschaft in Friesland hervor: Wo wären wir mit dem Tourismus, wenn die Milchwirtschaft brach liegen würde?, fragte sie. Das Landschaftsbild wäre ein anderes. Friesland sei das ideale Milchviehland.
Olaf Lies bemängelte die Produktion von Milchersatzstoffen und Lebensmittel-Imitaten, die die schwierige Lage der Bauern noch verschärfen würden. Folkert Frittje forderte wie Lies eine Kennzeichnungspflicht.
Niedersachsen, s.6
