Oldenburg - Lange hat Monika gezögert, vor wenigen Tagen wanderte dann doch eine kleine Spraydose über den Ladentisch in ihre Handtasche. „Ich bin stärker besorgt“, räumt die 17-Jährige ein. „Das, was in Köln passiert ist und hier in Oldenburg, macht mir Angst.“

Die Schülerin ist kein Einzelfall. Viele Frauen – und auch Männer – überlegen verstärkt, was sie zur Selbstverteidigung tun können.

Oldenburger Land: Immer mehr Bewaffnete auf den Straßen

„Wir haben im Januar bisher etwa 100 Anträge für einen so genannten kleinen Waffenschein erhalten“, teilt die Stadtverwaltung mit. Im gesamten vergangen Jahr seien es 60 Anträge gewesen – ein Anstieg also klar erkennbar. Der „Kleine Waffenschein“ berechtigt dazu, Schreckschuss-, Reizgas- und Signalpistolen in der Öffentlichkeit zu führen.

Dass Gaspistolen und Reizgas im Stadtgebiet vermehrt genutzt würden, stellt die Polizei allerdings nicht fest. Auch Schusswaffen würden seit dem Jahreswechsel nicht häufiger geführt als früher. Es lasse sich auch nicht belegen, dass jeder Antragsteller tatsächlich Schusswaffen kaufe. Pfefferspray und andere Reizgase hingegen seien ab 18 Jahren frei verkäuflich.


Von einer derartigen Bewaffnung hält die Polizei allerdings auch „sehr wenig“. Bei Überfällen könnten die meist überraschten Opfer diese „Waffen“ kaum einsetzen. Was eigentlich zum Schutz eingesetzt vorgesehen sei, lasse sich leicht gegen das Opfer selbst einsetzen, warnt die Polizei.

Empfohlen werde stattdessen der sogenannte Personalalarm, auch Schrillalarm genannt, der am Hosenbund befestigt wird. Lautes Schrillen schrecke Täter ab und mache die Öffentlichkeit aufmerksam, erklärt die Polizei. Dies könne Übergriffe verhindern oder die Identifizierung von Tätern erleichtern.

Walter Lemm, der in der Ritterstraße ein Waffengeschäft betreibt, berichtet von einer stärkeren Nachfrage nach Pfefferspray. „Die Leute machen sich mehr Gedanken um ihre Sicherheit“, bestätigt der Händler. Die Nachfrage nach Signalpistolen – der fachmännische Ausdruck für Gaspistole – sei vor Weihnachten gestiegen, wie in jedem Jahr. „Die werden gerne für Silvesterraketen genutzt.“

Möglicherweise habe der eine oder andere nach Silvester überlegt, den Kleinen Waffenschein zu erwerben, um die Pistole weiter nutzen zu können. Dass die Sorge um die Sicherheit den Kauf von Signalpistolen ankurbelt, das stellt Lemm nicht fest.

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)